Flotte fleißige Flieger – der 1. Welt-Bienen-Tag

43.500.000.000 – so viele Honigbienen leben etwa in Deutschland. Sie erzeugen 20 % des Honigs, der bei uns verzehrt wird. Denn wir Deutschen naschen im Jahr pro Kopf ca. 1,1 kg Honig. Um den Nektar für diese Menge Honig zu sammeln, müsste eine einzige Biene über sechs Mal die Erde umfliegen – eine beeindruckende Leistung der Arbeiterbienen. Auch die Hummel, eine Wildbienenart, wird zunehmend für die Bestäubung in Gewächshäusern eingesetzt.

Damit es weiter summt und brummt

Am 20. Mai war der 1. Welt-Bienen-Tag – ein Gedenktag für diejenigen, die unsere Ernährung sichern. Denn ohne Bienen wäre unser Speiseplan mager, wie unlängst ein Supermarkt in Hannover veranschaulichte. Für einen Vormittag nahm er alle Produkte, für die die Bestäubung unerlässlich ist, aus den Regalen – ganze 60 % des Sortiments. Die Insekten, und somit auch die Bienen, sind akut bedroht: Im Zeitraum von 1989 bis 2015 sind 75 % der Insekten aus Deutschland verschwunden. Es liegt nahe, dass die Populationen durch Praktiken der intensiven Landwirtschaft stark zurückgegangen sind.

Wir alle sind gefragt

Nun macht die Politik erste zaghafte Schritte mit dem Verbot von drei Neonikotinoiden in Richtung Insektenschutz. Viele Umweltorganisationen haben ihre Forderungen an ein Aktionsprogramm Insektenschutz formuliert, Platzverweise für Bienengifte wurden ausgesprochen und viele weitere Aktionen sind geplant.

Enkeltauglich und Insektenfreundlich

Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, an dem sich auch die Schweisfurth Stiftung beteiligt, setzt sich für eine Förderung unabhängiger Forschung zu Ackergiften sowie für die Erarbeitung einer Roadmap hin zu einer enkeltauglichen Landwirtschaft im Dialog mit Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ein. „Eine enkeltaugliche Landwirtschaft kann nur im gemeinsamen Dialog entwickelt werden – für diesen setzen wir uns als Stiftung, auf der Basis unabhängiger Forschung, ein“, so Dr. Niels Kohlschütter, Geschäftsführer der Schweisfurth Stiftung.

Weitere Informationen zum Bündnis und Möglichkeiten zur Unterstützung finden Sie hier.

Was hat das Schnitzel auf dem Teller mit der Qualität von Honig zu tun?

Dieser überraschende Zusammenhang wurde beim Treffen im Rahmen des Aktionsbündnisses „Ackergifte? – Nein Danke!“ im September 2017 deutlich. Vertreter des Bio-Fachhandels, der Aktion GEN-Klage und des Europäischen Berufsimkerverbandes trafen am Runden Tisch in der Schweisfurth Stiftung auf zwei Honig-Produzentinnen aus Mexiko. Die indigenen Maya Imkerinnen berichteten über ihre derzeitige Lage in Mexiko.

Seit die mexikanische Regierung 2012 die Genehmigung erteilte, unter anderem auf der Halbinsel Yucatán genetisch veränderte Soja-Monokulturen großflächig anzupflanzen, wurden riesige ehemalige Waldgebiete in Monokulturen verwandelt. Damit einher geht der Rückgang der Artenvielfalt und der intensive Einsatz des Pestizids Glyphosat. Auch die Bienen bleiben vor den Auswirkungen nicht verschont. Im Honig können seither immer wieder deutliche Rückstände von Glyphosat oder gentechnisch veränderten Pflanzen nachgewiesen werden, was auch bedeutet, dass der Honig in Europa nicht verkauft werden darf. Damit ist ein Teil des kulturellen Erbes der Maya durch den wegfallenden Markt unmittelbar bedroht.

Sojaanbau führt zu einseitigem Speiseplan für Bienen

Wenn man an Soja und Nahrung denkt, kommen vielen Menschen Produkte wie Tofu, Sojamilch oder Fleischersatzprodukte in den Sinn. Tatsächlich wird der Anbau von Gen-Soja vor allem indirekt über den Fleischkonsum gefördert. Etwa 80% der weltweiten Soja-Ernte wird als relativ günstiges Futtermittel für Nutztiere verwendet. In der EU ist der Anbau von Gen-Soja verboten, der Import jedoch erlaubt. Da die EU-Länder selbst nicht genug Futtermittel für ihre Nutztiere produzieren, werden große Mengen an Soja importiert. 80% der weltweit angebauten Sojapflanzen sind offiziell genverändert, somit auch der Großteil des Futtermittels in der EU.

Das Fazit: Höherer Fleischkonsum => mehr Bedarf an Sojafuttermittel => mehr Soja-Anbau => weniger Pflanzenauswahl für die Bienen => mehr Belastung im Honig

Was kann ich als Konsument*in tun?

Durch bewussten Fleischkonsum können wir indirekt einen Teil dazu beitragen, dass langfristig Honig in guter Qualität und ohne Glyphosat- oder Gentechnikrückstände in den Supermarktregalen zu finden ist. Bewusster Konsum bedeutet zum Beispiel weniger Fleisch, Bio-Fleisch oder Fleisch mit der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ zu essen. Damit verringert sich der Bedarf an Soja und der Anreiz Gen-Soja illegal anzubauen.

Konsequenzen kulinarischer Genüsse aus der Ferne

Es gibt guten regionalen Honig, wozu brauche ich dann Honig aus Mexiko? Die Konsequenzen exotischer Genüsse sind oft schwer zu durchschauen. Am Runden Tisch wurde an diesem Tag deutlich, dass ich mit einem bewussten Fleischkonsum sowohl meine Freude am Honig als auch die Maya-Imker in Yucatán unterstützen kann.

Die Autorin Fenja Hehl studiert Umweltbildung an der PH Weingarten und absolviert aktuell ein Praktikum in der Schweisfurth Stiftung.