HighTech gegen den Hunger? Dossier zur Bioökonomie erschienen

Die Frage, wie wir in Zukunft eine wachsende Weltbevölkerung gut ernähren können, stand im Mittelpunkt des Global Bioeconomy Summit, der vom 24. bis 26. November in Berlin stattfand. Die Verfechter der Bioökonomie sehen die Antwort in der Technologisierung der Landwirtschaft. Ertragssteigerungen, (gen-)technische Lösungen und mehr Effizienz sollen dafür sorgen, dass alle satt werden. Doch wie wirksam ist die Ökonomisierung des Biologischen tatsächlich im Kampf gegen Hunger und Armut? Wo liegen die Gefahren? Und: Welche sinnvollen Alternativen gibt es? Ein soeben erschienenes Dossier von Stiftungsvorstand Franz-Theo Gottwald und Wissenschaftsjournalist Joachim Budde im Auftrag des Instituts für Welternährung geht diesen Fragen auf den Grund.

Statt mehr Nahrung: Mehr Probleme
Die ernüchternde Bilanz von Gottwald und Budde: Bioökonomie leistet bislang keinen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Welternährung. Vielmehr kommen die beiden Autoren zu dem Schluss, dass die bioökonomische High-Tech- und Investitionsstrategie den Kampf um Boden und biologische Ressourcen verschärft. Damit fördert der bioökonomische Ansatz Hunger, Armut und Flucht, anstatt diese Probleme zu lösen.

Die Kommerzialisierung von Leben
Problematisch sei außerdem die zunehmende Kommerzialisierung alles Lebendigen, so die Agrarexperten Gottwald und Budde. Saatgut, Tiere, Pflanzen − alles verkomme zur Ware. Beteiligungsansprüche von lokalen Gemeinschaften fielen dabei unter den Tisch, ebenso wie die Idee der Gemeingüter (Commons). Biotechnologische Verfahren wie Gentechnik oder synthetische Biologie sollen Leben optimieren, effizienter machen, an die (wirtschaftlichen) Interessen der Industrie anpassen. Aber: „Die Wunderwaffen der Bioökonomie können nach hinten losgehen“, warnt Franz-Theo Gottwald. Seien die biologischen Hochrisikotechnologien einmal im Einsatz, ließen sie sich nicht mehr stoppen, geschweige denn rückgängig machen. Profitieren würden von dieser Entwicklung nicht die Hungernden, sondern die Konzerne.

Das vollständige Dossier können Sie hier als PDF herunterladen.

Pressemitteilung „Bioökonomie schafft neue Fluchtursachen“, November 2015, Institut für Welternährung e.V.

Einen interessanten Beitrag von Dr. Alexandra Hildebrandt (Huffington Post) zu der Bioökonomiestudie können Sie hier online  lesen.

Zum Weiterlesen: Franz-Theo Gottwald & Anita Krätzer: Irrweg Bioökonomie. Kritik an einem totalitären Ansatz. Suhrkamp 2014.