(c) Klaus Fruchtsäfte

Kennenlernen im Saftladen

Regionale Wertschöpfung lebt von stabilen Netzwerken. Seit 2022 gibt es deshalb das „Wandernde Netzwerk“ unseres Projektes WERTvoll. Bei diesem treffen sich Interessierte bei Vorzeige-Unternehmen in der Region Leipzig. Ende April besuchten wir „Klaus Fruchtsäfte“ in Wurzen. Geschäftsführer Andreas Klaus lud knapp 20 Interessierte zur Führung in die Produktion und zu vertiefenden Gesprächen in seinen „Saftladen“ ein.

Vielfalt und regionale Partnerschaften

Wie hebt man sich gegen eine starke Konkurrenz ab, in einer Region, in der Obstbau und Fruchtsafterzeugung traditionell verwurzelt sind? Vielfalt lautet die eine Antwort. So hat das Unternehmen Klaus Fruchtsäfte von Apfel bis Zitrone etwa 60 Sorten Säfte, Nektar und Fruchtweine im Programm – 25 davon in Bio-Qualität. Regionale Partnerschaften lautet die andere Antwort. Denn Abgesehen von den Südfrüchten stammt das verarbeitete Obst vollständig aus Sachsen. Für Äpfel und Birnen betreibt das Unternehmen eine Lohnmosterei.

Die Teilnehmenden aus knapp zehn kleinen und großen Betrieben aus der Region konnten bei der Führung durch die moderne Produktionsanlage unter anderem die Fruchtsaftpresse, die Abfüllanlage und die Lagertanks mit 960.000 Litern Kapazität besichtigen. Die derzeit geplante Erweiterung auf 1.300.000 Liter zeigt, dass dieses Konzept aufgeht. Besonders ist auch, dass das Unternehmen die Logistik seiner Produkte selbst übernimmt und drei Fahrer beschäftigt. Dies sorge in Zeiten, in denen Lieferketten fragiler geworden sind, für Stabilität, erzählt Gastgeber Andreas Klaus.

Bio schmeckt man

Nach der Führung konnten sich die Teilnehmenden bei einem Imbiss besser kennenlernen und sich von den Geschmacksunterschieden der verschiedenen Säfte überzeugen. Sein Bio-Saft unterscheide sich vom konventionellen durch einen komplexeren Geschmack und etwas mehr Säure, so Klaus. Das liegt daran, dass die bezogenen Bio-Äpfel oft von alten Bäumen unterschiedlichster Sorten stammen und selten Plantagenobst eingesetzt wird. Der Geschmack wandelt sich dadurch mit der Saison und schmeckt immer leicht anders, was die Kund:innen schätzen. 90 Prozent der eingesetzten Äpfel stammen von Streuobstwiesen von Privatpersonen aus der Region.

Das Konzept

Das Wandernde Netzwerk ist ein Treffen in unregelmäßigen Abständen, das sich vorrangig an Praktiker:innen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft der Region in und um Leipzig richtet. Ziel ist das Kennenlernen von Produzent:innen und Produkten aus der Region, das Schmieden neuer Kooperationen und das Entdecken von Synergien. Diese Praxisnähe spiegelt sich auch in den Veranstaltungsorten wider: Als Veranstaltungsort wird stets ein regionaler Betrieb im Bereich der Erzeugung, Verarbeitung oder Vermarktung von Lebensmitteln ausgewählt.

 

Das Wandernde Netzwerk zu Besuch bei der Bäckerei Eßrich

Wie kann eine regionale und ökologische Lebensmittelversorgung konkret aussehen? Die familiengeführte Bäckerei Eßrich in Leipzig Liebertwolkwitz zeigt, wie das geht. Sie verarbeitet ausschließlich Getreide aus der näheren Region, das ohne chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel angebaut wurde.

Kontakte knüpfen, Synergien nutzen und Aktivitäten in der Region stärken: Das ist das Ziel des Wandernden Netzwerks unseres Projekts WERTvoll in Leipzig und Umgebung. Menschen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft können gemeinsam unterschiedlichse Produktions- und Verarbeitungsbetriebe der Region besuchen, hinter die Kulissen schauen und sich dann „am lebenden Objekt“ über Herausforderungen und Lösungen einer regionalen Lebensmittelversorgung austauschen.

Pestizidfreies und regionales Getreide

Im September nahm eine Gruppe von zehn Menschen die Möglichkeit wahr, die Backstube und die hauseigene Getreidemühle der Bäckerei Eßrich in Liebertwolkwitz südwestlich von Leipzig zu besuchen. Die Bäckerei stellt bereits seit 1963 Brote, Brötchen und Konditoreiwaren her. In den letzten Jahren kam eine hauseigene Mühle dazu, die dafür sorgt, dass das verwendete Vollkornmehl – unter anderem von Emmer und Einkorn – so frisch wie möglich ist und alle wertvollen Inhaltsstoffe des Getreides es ins Brot schaffen. Das Besondere: Verarbeitet wird ausschließlich Getreide aus der näheren Region, das ohne Einsatz chemisch-synthetischer Dünge- und Spritzmittel erzeugt wurde, unter anderem auch von Biobetrieben. Mit ihrem Konzept trägt die Bäckerei Eßrich so aktiv zum Wasser- und Artenschutz bei.

Überproduktion? Nein Danke!

Die beiden Brüder Tom und Hans-Peter Eßrich, die das Familienunternehmen in der dritten Generation gemeinsam leiten, haben sich die Kompetenzen aufgeteilt: Während Tom als Bäckermeister für das Brot verantwortlich ist, kümmert sich Hans-Peter um die Konditoreiwaren

und wird noch in diesem Jahr seinen Konditormeister in der Tasche haben. Die beiden sind stolz auf ihr junges Team, das Arbeitsklima und die Qualität ihrer Rohstoffe und Produkte. Dabei achten sie konsequent auf den geringstmöglichen Einsatz von Zusatzstoffen, setzen auf regionale Alternativen, indem sie etwa Sojaschrot durch Lupinenschrot ersetzen und versuchen, aktiv Überproduktion zu vermeiden. Vor kurzem konnten sie ihre fünfte Bäckerei-Filiale in Leipzig eröffnen. Neben den vielen Erfolgen stehen sie jedoch, wie viele andere Handwerksbetriebe auch, vor den großen Herausforderungen, die die aktuell schnell steigenden Energiepreise mit sich bringen. Doch sind sie überzeugt davon, gemeinsam mit ihrem Team und ihrer treuen Kundschaft Lösungen zu finden.

Austausch und Vernetzung stärkt nachhaltige Lebensmittelversorgung

Neben einer Führung durch die Backstube und den Mühlenraum erhielten die Teilnehmenden auch die Möglichkeit, unterschiedliche Brote zu verkosten. Eine Besonderheit ist das Walnussbrot, das in Zusammenarbeit mit vielen kleinen Walnussproduzent:innen realisiert wird. Außerdem durften sich die Anwesenden von der handwerklichen Arbeit, den langen Teigführungszeiten und der Sauerteigproduktion überzeugen – ein ganz besonderes Erlebnis für all diejenigen, die sich täglich mit der Verarbeitung von Lebensmitteln beschäftigen, wie etwa den Kantinen-Chef von Porsche in Leipzig.

Das Wandernde Netzwerk wandert weiter

Das Wanderne Netzwerk-Treffen in Liebertwolkwitz fand erstmalig in Zusammenarbeit mit der neuen Bio-Regio-Modellregion Leipzig

Westsachsen statt. Sie ist eine von drei vom Land Sachsen geförderten Regionen, in denen sich Akteur:innen aus den Bereichen Land- und Ernährungswirtschaft sowie Regionalentwicklung zusammenfinden, um individuelle Konzepte zur regionalen und ökologischen Wertschöpfung umzusetzen und zu verstetigen. Die gute Nachricht ist: Die Bio-Regio-Modellregion Leipzig wird die Aktivitäten des Projekts WERTvoll, das Ende 2023 ausläuft, weiterführen. Das  Wandernde Netzwerk wird sich also auch nach 2023 weiter an spannenden Orten der Leipziger Land- und Lebensmittelwirtschaft treffen können.

Mehr zum Projekt WERTvoll

Das Projekt WERTvoll will in der Modellregion Leipzig und Wurzener Land (Stadt Wurzen, Gemeinden Bennewitz, Thallwitz und Lossatal) bis Ende 2023 eine WERTvolle Stadt-Land-Partnerschaft gestalten. Dabei soll eine kooperative und sich positiv verstärkende Landnutzungsstrategie für die Region erarbeitet werden, bei der jede Bürgerin und jeder Bürger einen Beitrag im Alltag leisten kann. Dazu zählen Maßnahmen wie den Bio-Anbau ausweiten, den Wasserschutz gewährleisten und Ökosystemleistungen wie Biodiversität oder die Renaturierung eines Gewässerabschnitts fördern.

Kantinen-Essen frisch, gesund und aus der Region? Geht!

Unser Projekt WERTvoll tischte den Erbsen-Eintopf „Schotenklump“ aus biologischen und regionalen Zutaten bei BMW, Dussman und Co. in und um Leipzig auf. Ein Gewinn für Mensch und Natur.

„Schmackhafte, gesunde Ernährung geht mit heimischen und ökologischen Produkten Hand in Hand. Mit dem Aktionsgericht Schotenklump unterstützen wir das Projekt WERTvoll, um Gutes für unsere Region zu tun“ – so bewarb Anfang Juli keine geringere als die Leiterin der Leipziger Betriebsgastronomie von BMW in einer hausinternen Mitteilung einen außer gewöhnlichen Mittagstisch. Denn die Zutaten des Schotenklump – ein sächsischer Eintopf-Klassiker aus Erbsen, Kohlrabi, Knödeln und Rippchen – stammen größtenteils in Bio-Qualität direkt aus dem Leipziger Umland. Regional und Bio – das ist nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Deutschland noch immer eine Seltenheit in Großkantinen. Dank vieler engagierter Betriebe kamen nun jedoch schon zum zweiten Mal Kantinen in und um Leipzig in diesen wertvollen Genuss.

BMW, Dussmann & Co.: Gemeinsam kocht es sich gut

Insgesamt 200 Kilogramm Erbsen verarbeiteten Kantinen-Köche anlässlich des diesjährigen Aktionstages Schotenklump. Mehr als 2.000 Teller wurden serviert. Bereits 2021 hatte es den Eintopf gegeben, damals für Kitas und Altersheime. Dieses Jahr beteiligten sich neben BMW auch die Kantinen von Dussmann und dem Maschinenbau-Unternehmen Kirow sowie die Hänchen-Gruppe, die Kitas auf dem Land versorgt. Angebaut und Mitte Juni geerntet wurden die Erbsen und der Kohlrabi für den Eintopf im Wassergut Canitz im Wurzener Land sowie im Bio-Landwirtschafsbetrieb Hundertmorgenland. Die Köhra Frische GmbH sortierte das Gemüse vor, wusch und frostete es. Auch Fleisch aus der Region wurde den Kantinen für den Eintopf angeboten, aus artgerechter Tierhaltung der Fleischerei Hahn. Nach dem Mittagessen am Aktionstag waren sich dann alle einig: Schotenklump? Lecker!

Projekt WERTvoll unterstützt regionale Wertschöpfungsketten

Hinter der Aktion stehen die Mitarbeitenden unseres Projektes WERTvoll in Leipzig, die Stadt Leipzig und die Leipziger Anstalt für Koch- und Lebensmittelkultur. Ziel ist, mit dem Aktionsgericht die regionalen Wertschöpfungsketten in der Lebensmittelversorgung zu stärken. Gerade über das Angebot in Kantinen können mehr Menschen zu bezahlbaren Preisen in den Genuss von gesunden regionalen und ökologischen Lebensmitteln kommen. „Nachhaltige Anbauformen sind vorteilhaft für den Klima- und Artenschutz. Sie sorgen auch dafür, dass unser Grundwasser frei von Schadstoffen bleibt und dass die Böden noch viele Jahre fruchtbar bleiben. Je mehr Menschen in den Genuss dieser Lebensmittel kommen können, desto besser für die Umwelt“, so Arian Gülker, Projektmanager bei der Schweisfurth Stiftung.

100 Prozent Bio und Regional noch immer eine Herausforderung für Kantinen

In diesem Jahr unter anderem die BMW-Kantine dazu bewegt zu haben, Bio-Produkte aus der Region zu nutzen, war ein ordentlicher Erfolg. Gleichzeitig zeigten sich auch die Herausforderungen einer regionalen und biologischen Lebensmittelversorgung. So entschied sich BMW kurzfristig außer den Erbsen alle weiteren Zutaten in konventioneller Qualität von bestehenden Zulieferern zu beziehen. Auch andere Kantinen griffen nicht auf das volle Sortiment nachhaltiger Produkte zurück, sondern ergänzten es mit konventionellen Lebensmitteln ihrer Standardzulieferer. Allein die Kirow-Kantine bezog alle Produkte für ihren Schotenklump regional und ökologisch. Gülker: „Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass alle Teilnehmenden die Canitzer Bio-Erbsen in ihrem Schotenklump hatten. Tibor Herzigkeit, der Koch der Kirow Kantine, hat es sogar geschafft, alle bereitgestellten regionalen Produkte einzusetzen. Beim Bezug der übrigen Produkte gibt es für die anderen Unternehmen noch Entwicklungsmöglichkeiten. Wir freuen uns deshalb schon auf das nächste Aktionsgericht“.

Neue Chance für Kantinen im Oktober

Im Oktober gibt es für die Kantinen in und um Leipzig eine neue Chance, ihren Mittagstisch wirklich zu 100 Prozent nachhaltig zuzubereiten: Zum Tag der Regionen gibt es ein neues Aktionsgericht – BMW und die Kirow Kantine haben hierfür schon zugesagt. Schön!

Wanderndes Netzwerk startet in der Region Leipzig

Neue Kontakte knüpfen, Synergien nutzen und Aktivitäten in der Region stärken – diese Ziele verfolgt das neue Wandernde Netzwerk für Menschen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft. In Leipzig und Umgebung geht es im Rahmen des Projektes WERTvoll in diesem Jahr an den Start. Getragen wird das Netzwerk von Akteur:innen vor Ort.

Was ist ein Wanderndes Netzwerk?

Das Wandernde Netzwerk umfasst den Gedanken eines klassischen Netzwerks, bei dem der Austausch unter verschiedenen Akteuren gefördert wird, und will gleichzeitig darüber hinausgehend regelmäßige Veranstaltungen an wechselnden Treffpunkten anbieten. Jeder Netzwerk-Termin soll an einem anderen Ort stattfinden – bevorzugt in den Betrieben der verschiedenen Netzwerk-Akteure. Die Gastgeber können ihre Firmen vorstellen und die Gruppe erhält die Chance, hinter die Kulissen verschiedenster Unternehmen zu blicken, lernt Neues in der Region kennen und kann unmittelbar mit den Beteiligten ins Gespräch kommen. Persönliche und wirtschaftliche Kontakte können vor Ort geknüpft und gepflegt werden.

Neue Wertschöpfungsketten und alte Bekanntschaften

Die Idee dazu entstand im vergangenen Jahr, als sich im Rahmen des Projektes WERTvoll Menschen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft digital bei einer Suche-Biete-Börse trafen. Ziel war es, die Entstehung neuer regionaler Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Die Teilnehmer:innen kamen aus verschiedenen Branchen, unter anderem aus Handel, Landwirtschaft und Vermarktung sowie aus dem Projekt selbst. Im Format eines „Speed-Dating“ hatten immer zwei Teilnehmer:innen in wechselnden Gesprächen einige Minuten Zeit, sich und ihre Produkte vorzustellen bzw. Bedarfe an den anderen zu adressieren. Im Idealfall konnten sich so zwei Partner:innen finden, die in Zukunft miteinander eine regionale Handelsbeziehung mit einem Mehrwert für Artenvielfalt, Wasser- und Klimaschutz aufbauen wollen.

Als mindestens genauso bereichernd wie das Sprechen über Produkte wurde die Möglichkeit empfunden, neue Menschen kennenzulernen, sich auszutauschen und im Gespräch mit bereits bekannten Teilnehmer*innen bleiben zu können. Im Rahmen von WERTvoll fanden und finden bereits viele Vernetzungsveranstaltungen statt. Durch das Wandernde Netzwerk sollen diese nun in Zukunft verstärkt bei Betrieben vor Ort zu Gast sein.

Nachhaltige Stadt-Land-Partnerschaft in Leipzig und Umgebung

Das Projekt WERTvoll will in der Modellregion Leipzig und Wurzener Land (Stadt Wurzen, Gemeinden Bennewitz, Thallwitz und Lossatal) bis Ende 2023 eine WERTvolle Stadt-Land-Partnerschaft gestalten. Dabei soll eine kooperative und sich positiv verstärkende Landnutzungsstrategie für die Region erarbeitet werden, bei der jede Bürgerin und jeder Bürger einen Beitrag im Alltag leisten kann. Dazu zählen Maßnahmen wie den Bio-Anbau ausweiten, den Wasserschutz gewährleisten und Ökosystemleistungen wie Biodiversität oder die Renaturierung eines Gewässerabschnitts fördern.

Gastgeber:innen gesucht

Das Projekt WERTvoll sucht in Leipzig und dem Wurzener Land noch nach interessierten Gastgeber:innen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft, die das Wandernde Netzwerk zu sich einladen möchten. Wenn Sie geeignete Orte in der Region Leipzig kennen oder sich selbst vorstellen können, das Wandernde Netzwerk zu Gast zu haben, melden Sie sich bei Arian Gülker.

Net-Mapping: Mit System zu gezielter Vernetzung in der Regionalentwicklung

„Kooperation ist die Lösung! Denn nur durch Zusammenarbeit kann den zahlreichen Herausforderungen, denen unsere Gesellschaft aktuell gegenübersteht, begegnet werden“, kommentiert Dr. Niels Kohlschütter, Vorstand der Schweisfurth Stiftung. Doch wie können Netzwerke effektiv gefördert und weiterentwickelt werden? Eine vielversprechende Methode dafür ist Net-Mapping – das Nachzeichnen eines Netzwerks mit allen Beteiligten. Diese systematische, wissenschaftlich fundierte Analyse im Workshop-Format leitet die Teilnehmenden dazu an Stabilität und Ausrichtung des eigenen Netzwerkes zu analysieren, mögliche Schwachstelle zu identifizieren und nächste Schritte zu erarbeiten. Die Schweisfurth Stiftung nutzt diese innovative Methode im Rahmen des Projektes WERTvoll im Raum Leipzig und Wurzener Land.

 

Voller Erfolg: Klarheit und Übersicht durch Net-Maps

Die Visualisierung des Netzwerks dient als Grundlage für fruchtbare Diskussionen und die Entwicklung weiterer gemeinsamer Zielsetzungen.

Die Methode des Net-Mappings hat die Schweisfurth Stiftung unter anderem erfolgreich im November 2019 mit dem Netzwerk Region in Aktion um den Sachranger Dorfladen durchgeführt. Ebenso wie das Projekt WERTvoll verfolgt es die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, die gleichzeitig die Umwelt vor der eigenen Haustür fördern. Ziel war es, mehr Klarheit über die Strukturen des eigenen Netzwerkes sowie über die weitere gemeinsame Ausrichtung zu erhalten. „Die Methode des Net-Mappings hat uns sehr geholfen die vielfältigen Beziehungen untereinander sichtbar zu machen. Durch das Visualisieren konnten wir zentrale Akteure und potenzielle Schwachstellen im Netzwerk überraschend einfach erkennen. Der gemeinsame tiefe Blick hat uns dabei geholfen, die richtigen Stellschrauben für die Weiterentwicklung des Netzwerks zu identifizieren“, berichtet Teilnehmer und Mitinitiator Franz-Josef Mispagel begeistert.

 

Vom Post-It zur Netzwerkkarte: Mit einfachen Mitteln zu großen Einsichten

Zwischen den Post-Its mit den Akteuren, werden die jeweiligen Verbindungen eingezeichnet.

Bunte Post-Its, Stifte und viel Papier: Was zunächst wie eine Bastelstunde wirkt, ist in Wirklichkeit eine Denkwerkstatt, in der die Teilnehmenden das gemeinsame Netzwerk nachzeichnen. Über eine Dauer von etwa vier Stunden diskutiert die Gruppe in einem moderierten Prozess, welche Verbindungen es zwischen den einzelnen Akteuren gibt. Bereits während des Nachzeichnens des Netzwerks findet so eine intensive Beschäftigung mit dem eigenen Netzwerk statt. Die Teilnehmenden bringen ihre vielen Verbindungen meist das erste Mal zu Papier und werden sich dabei der zahlreichen Verknüpfungen bewusst, die sie eingehen und beeinflussen können. Am Ende steht eine Karte, die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Akteuren sichtbar macht und die anschließend zur weiteren Auswertung in eine digitale Form überführt werden kann.

Das Ergebnis: Eine digitalisierte Karte, die tiefergehende Analysen zuläss

 

Die tiefergehende Auswertung der Diskussion sowie der digitalisierten Karte im Nachhinein dienen als Grundlage, um genauere Analysen durchzuführen und konkrete Handlungsoptionen zu entwickeln: Gibt es sogenannte „Gatekeeper“, die den Zugang zum Netzwerk und seinen Informationen kontrollieren? Wer nimmt vermittelnde Rollen zwischen Gruppen ein? Treten bestimmte Akteure als Informationssenken auf? Welche potenziellen Schwachstellen im Netzwerk sollten zukünftig gestärkt werden, um das Netzwerk resilienter zu machen?

 

 

Erste Ergebnisse der Net-Mappings aus WERTvoll werden auf der „Sustainable & Resilient Urban-Rural Partnerships – URP2020“ Konferenz in Leipzig im November 2020 einem Publikum aus internationalen Wissenschaftler*innen präsentiert.

 

 

WERTvoll

Stark wachsende Metropolen benötigen für Wirtschaft, Verkehr und Wohnraum ständig mehr Landfläche. Sie wachsen in der Regel auf Kosten der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Umlands. Die konkreten Auswirkungen des eigenen Handelns sind dabei für BürgerInnen nur schwer erkennbar. Das will das Projekt WERTvoll anhand des Beispiels einer Modellregion ändern:

Projektziel

Das Wurzener Land (Stadt Wurzen, Gemeinden Bennewitz, Thallwitz und Lossatal) möchte gemeinsam mit der Stadt Leipzig in den kommenden fünf Jahren eine WERTvolle Stadt-Land-Partnerschaft gestalten. Ziel ist es, eine kooperative und sich positiv verstärkende Landnutzungsstrategie für die Region zu erarbeiten, bei der Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie jede und jeder BürgerIn einen Beitrag zu einer nachhaltigen Region im Alltag leisten kann.

Projekt-Maßnahmen
  1. Bio-Anbau ausweiten: Gesunde Nahrungsmittel für Leipzig und die Region.
  2. Wasserschutz gewährleisten: Neben „bio“ wird zusätzlich auf die Grund- bzw. Trinkwasserqualität für Leipzig und die Region geachtet.
  3. Ökosystemleistungen erweitern: Weitere Ökosystemleistungen wie Biodiversität oder die Renaturierung eines Gewässerabschnitts sollen gefördert werden.
Projekt-Methoden

Langfristig müssen die Aktivitäten nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch tragfähig sein. Dazu sollen regionale Wertschöpfungsketten entwickelt und etabliert werden. Die aktuelle Entwicklungssituation, sowie mögliche Szenarien auf Betriebsebene werden dafür mit landwirtschaftlichen Berechnungsprogrammen modelliert und die Erkenntnisse fließen in den von der Schweisfurth Stiftung moderierten Teilhabeprozess ein. Gemeinsam mit den Landwirten, dem Handwerk und innovativen Marktplätzen in Leipzig können so nachhaltige Wertschöpfungsketten entwickelt werden.

Ein potentieller Abnehmer der Erzeugnisse ist die Stadt Leipzig, die sich mit einem Stadtratsbeschluss für mehr Bio-Lebensmittel aus der Region in öffentlichen Einrichtungen einsetzt. Darüber hinaus sollen die Produkte auch allen BürgerInnen aus der Region zugänglich sein. Das stärkt das Bürgerbewusstsein über die Auswirkungen des eigenen Konsums und macht dies vor den Toren der Stadt erlebbar.

Die Akteure

In dem Projekt arbeiten die Kommunen (Stadt Wurzen, Gemeinden Bennewitz, Thallwitz und Lossatal) eng mit dem Wassergut Canitz (Leipziger Wasserwerke), dem privaten Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL), der Schweisfurth Stiftung sowie dem Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Hochschule Trier zusammen.
Das BMBF fördert das Projekt im Rahmen von „Stadt-Land-Plus“. Die Fördermaßnahme ergänzt die Leitinitiative „Zukunftsstadt“ um die Perspektive der Stadt-Land-Beziehungen. Der Fokus liegt auf einem verantwortungsvollen Umgang mit Land- und Flächenressourcen.

Mehr Informationen zu Stadt-Land-Plus der Leitinitiative Zukunftsstadt finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Kurz-gut

Projektname: WERTvoll
Startschuss:
2018
Status:
läuft
Wirkungskreis:
Raum Leipzig und Wurzener Land
Zielgruppe:
Politik, Wirtschaft, Gesellschaft
Maßnahmen:
Entwicklung und Etablierung regionaler Wertschöpfungsketten
Ansprechpartner:
Arian Gülker, Kontakt: aguelker [at] schweisfurth-stiftung.de
Gefördert durch:
Bundesministerium für Bildung und Forschung/FONA
Mehr unter: https://wertvoll.stoffstrom.org/, Leitfaden „Das wertvolle Aktionsgericht“

Fruchtbare Gärten in der Betonwüste

Schon langsam kommt wieder Bewegung in die Gärtnerei und den Garten im Leipziger Westen. Die ersten Vorbereitungen für das Frühjahr beginnen, die Anzucht von Jungpflanzen im Glashaus ist bereits in vollem Gang. Wir sind zu Besuch bei einem wahren Leuchtturmprojekt für nachhaltige Stadtteilentwicklung – der ANNALINDE gGmbH.

Ein Garten für alle

ANNALINDE betreibt urbane Landwirtschaft mitten in einem Wohngebiet in Leipzig. In mobilen Hochbeeten aus recycelten Paletten, in Reissäcken oder in Tetra-Paks werden Pflanzen angebaut. Die eifrigen Gärtner aus der Nachbarschaft verwenden dafür sortengerechtes Saatgut, chemische Düngemittel sind tabu. Dabei packen alle mit an – Kinder, Jugendliche, Erwachsene und passionierte Gärtner schaffen gemeinsam eine Oase der biologischen Vielfalt. Das Obst und Gemüse wird nicht nur zusammen gesät, gepflanzt und geerntet, sondern auch im Café vor Ort verarbeitet und konserviert. Zum Ursprungsprojekt, dem Gemeinschaftsgarten, kam im Jahr 2012 eine 5.000 m2 große Gärtnerei dazu und 2016 pachtete das gemeinnützige Unternehmen eine weitere Brachfläche und setzte darauf eine Streuobstwiese an.

Bei unserem Besuch Anfang Februar 2017 befand sich die Gärtnerei im Stadtteil Lindenau noch im Winterschlaf.

Bei unserem Besuch Anfang Februar 2017 befand sich die Gärtnerei im Stadtteil Lindenau noch im Winterschlaf.

Die Möglichmacher

Neben Mitgründer und Geschäftsführer Dominik Renner und dem Gärtner Philipp Scharf wird das Projekt unter anderem von einer Auszubildenden und bis zu fünf Bundesfreiwilligendienstleistenden getragen. „Es ist wirklich beeindruckend wieviel Herzblut die Beteiligten in das Projekt stecken – man fühlt sich hier sofort willkommen. Gleichzeitig ist die ANNALINDE gGmbH ein sehr professioneller und perfekt organisierter Betrieb, der eine Vielzahl an Projekten umsetzt und dafür bereits zahlreiche Auszeichnungen erhielt“, findet unser Mitarbeiter Matthias Middendorf, der die Gärtnerei im Anfang Februar besucht hat.

ANNALINDE Akademie

Seit 2014 bietet die gGmbH mit der ANNALINDE Akademie auch Umweltbildung für Schulen, Kitas und Unternehmen rund um den nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen. Die vielseitige Vorhaben der ANNALINDE wurden bereits als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt und als Werkstatt N Projekt ausgezeichnet und erhielt den Leipziger Agenda-Preis 2014 und 2015 sowie den 1. Preis in der Kategorie „regionaler Garten- und Gemüsebau“ beim Wettbewerb „BodenWertSchätzen“. „Das Projekt ANNALINDE zeigt, wie wichtig Gärten für Menschen und ihre Städte sind. Besonders beeindruckend ist die Vielzahl der Angebote, die der Garten bietet. Die Menschen haben Spaß und finden dort Ausgleich zu ihrem oft stressigen Alltag. Gleichzeitig lernen sie etwas über die Natur, die Vielfalt und vielleicht auch über sich selbst. Ein tolles Projekt, das als gutes Beispiel auch für andere Städte dient“, sagt UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves.

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Hinter den Kulissen beginnt im Frühjahr 2017 bereits die Anzucht von Jungpflanzen für die neue Saison in der Gärtnerei.

Zukunftspläne

Im Förderprojekt „Urbane Agrikultur im Leipziger Westen“ entwickelt das gemeinnützige Unternehmen die drei Bereiche Soziales, Ökologie und Ökonomie bis 20 18 kontinuierlich weiter. Es gibt schon zahlreiche Ideen für neue, einzigartige Projekte und die bestehenden Initiativen sollen weitergeführt und ausgebaut werden. Mittelfristig ist ein eigener Inklusionsbetrieb im Sinne einer sozialen Landwirtschaft in der Gärtnerei geplant.  Für diese Weiterentwicklung wird die ANNALINDE gGmbH vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und von der Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis gefördert. Die Schweisfurth Stiftung unterstützt das Projekt im Rahmen seines Entwicklungs- und Forschungsfeldes Stadt-Land-Tisch.

Einen inspirierenden Einblick in den grünen Stadt-Garten von ANNALINDE gibt dieser Filmbeitrag aus der ARTE-Reihe „Stadtoasen“.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.