Wir kooperieren „für eine Agrarkultur, die diesen Namen wieder verdient“

Die Schweisfurth Stiftung im Interview mit Stephan Illi über die Entwicklungen im Ökolandbau, Transparenz und Kooperation als Schlüssel für die Zukunft, die Projekte wir-kooperieren und Kulturland Genossenschaft sowie Wünsche an die nächste Bundesregierung.

 

Herr Illi, Sie arbeiten seit 1993 mit landwirtschaftlichen Betrieben an der Umstellung und Weiterentwicklung hin zu einem ökologisch und sozial verantwortlichen Landbau. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation im Öko-Landbau ein? Befinden wir uns auf dem richtigen Weg?

Stephan Illi: Aus meiner Sicht ist ja ein Weg immer dann richtig, wenn man schaut wo er hinführt, daraus lernt und dann neu bewertet, ob das die richtige Richtung ist. Der Ökolandbau ist die nachhaltigste Form der Landbewirtschaftung. Die Entwicklung ist aber die gleiche wie im konventionellen Landbau: die meisten Betriebe wachsen, spezialisieren sich, bauen Vielfalt ab und kleinere hören auf. Da im Hintergrund dieselben Marktmechanismen wirken, also z.B. Preisdruck aus internationalen Märkten, Intransparenz über die Herkunft der Waren und extreme Konkurrenz über den gesamten Wertschöpfungskreis, ist das ja irgendwie auch logisch.

Wo liegen die größten Hürden auf dem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft?

SI: Eine große Hürde ist für mich die Intransparenz: Viele Verbraucher wissen fast nichts mehr über Landwirtschaft und lassen sich durch die schönen Bildchen der Werbung beeindrucken. Konsumenten wieder näher an die landwirtschaftliche Erzeugung heranzuführen sehe ich als eine sehr große Aufgabe von Menschen, die wirklich etwas verändern wollen. Außerdem müssen wir Kooperationsmodelle entwickeln, statt ewig an Konkurrenz zu denken. Wenn wir nicht lernen, auf allen Ebenen besser zusammenzuarbeiten, zum Wohl von Mensch und Natur, geht aus meiner Sicht die oben genannte Entwicklung einfach so weiter.

Die Schweisfurth Stiftung unterstützt seit 2014 das Projekt wir-kooperieren bei dem Sie Betriebsgemeinschaften beraten und Strategien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit entwickeln. Wie läuft das Projekt?

SI: wir-kooperieren ist ein spannendes Projekt, weil es eine gute Grundlage für Zusammenarbeit schafft. Es ist auf die Zusammenarbeit in Betriebsgemeinschaften auf Höfen ausgerichtet, aber auch auf alle anderen Arten der Kooperation übertragbar. Besonders schön ist, dass es von Höfen gut aufgegriffen wird, und auch einige Öko-Berater damit arbeiten.

Transparenz, Verständnis und Vertrauen aufbauen, das sind drei Schlagworte aus ihrem „Werkzeugkasten“ für eine harmonische Zusammenarbeit. Wie erreichen Sie das mit Ihren Projektpartnern?

SI: Als wichtig sehe ich das Bemühen, ehrlich und gemeinsam an den genannten Punkten zu arbeiten. Transparenz herzustellen braucht einerseits technische Voraussetzungen, also z.B. für alle zugängliche Daten und Dateien und andererseits methodische Voraussetzungen: Die Gemeinschaften sollten sich regelmäßig treffen und es dabei schaffen, auch über Unangenehmeres zu reden. Wir müssen lernen uns als Menschen mit Bedürfnissen, großen Potentialen und eben auch Schwächen wahrzunehmen. Wenn diese beiden Dinge gelingen, entsteht unserer Erfahrung nach Vertrauen.

Sind Netzwerkpartnerschaften erfolgreicher als „Einzelkämpfer“?

SI: Ganz sicher nicht grundsätzlich, denn wenn viel gestritten wird, kostet das unendlich viel Kraft. Aber das Potential von gemeinschaftlich verantworteten Betrieben und Netzwerkpartnerschaften ist größer, einfach weil man sich gegenseitig stärken, beraten und unterstützen kann und, wenn das gelingt, nachhaltigere Entscheidungen trifft. Und das Zusammenarbeiten kann man zu einem guten Stück auch lernen – das ist ja die Idee hinter wir-kooperieren. Das bewusste sich Einlassen auf die Zusammenarbeit ist ein großes und sehr schönes Lernfeld, das man überall anwenden kann – sogar in der Beziehung zu seinem Lebenspartner und den Kindern.

Mit einem anderen Projekt Kulturland Genossenschaft organisieren sie Gemeinschaftseigentum an Grund und Boden für die bäuerlich geführte ökologische Landwirtschaft. Privatpersonen können z.B. für den Gegenwert von 5.000€ Genossenschaftsanteile kaufen und erwerben damit 2.000 m² Land, das wiederum von einem der neuen Höfe im Programm bewirtschaftet wird. Die Mitgliederzahl konnte im letzten Jahr verdoppelt werden, die Einlagen verdreifacht. Was ist Ihre Vision für dieses Projekt?

SI: Das Schöne an dem Projekt, bei dem die Schweisfurth Stiftung auch beteiligt ist,  besteht aus meiner Sicht darin, dass ein besserer Umgang mit den explodierenden Pacht- und Bodenpreisen möglich ist, wenn sich Konsumenten und Biobauern stärker vernetzen. Bürger mit etwas Geld auf dem Konto investieren einen Teil davon in die Landsicherung für Höfe, deren Arbeit sie unterstützenswert finden. Das ist ab 500 € möglich und nach oben unbegrenzt. Dabei kann das entstehen, was ich bereits vorhin angedeutet habe: Beziehung und eine Art Partnerschaft von Bürgern mit Landwirten. Je regionaler es stattfindet, umso besser. Modelle wie dieses sollten noch sehr stark verbreitet werden: Sie dienen den Bauern und den Bürgern, denn sie sichern das Land für Höfe und sind dabei eine durchaus sichere Geldanlage.
Die gemeinsame Sicherung von Land für regional eingebundene Biobauern ist eine der wichtigen Voraussetzungen, um eine neue Agrarkultur zu ermöglichen, die diesen Namen wieder verdient.

Die Bundestagswahl liegt gerade hinter uns, welches Gesetz wünschen Sie sich von der nächsten Bundesregierung?

SI: Ich könnte da ein ganzes Bündel von Gesetzen vorschlagen, bleibe aber mal beim Thema Transparenz. Wenn wir bei allem was wir einkaufen wüssten, wo und wie es entstanden ist, könnte sich nach und nach etwas verändern. Über das Internet wäre das doch leicht möglich, man müsste eben die passenden Methoden entwickeln. Ebenso dürften keine irreführenden Angaben und unzutreffenden Bilder gemacht werden. Und weiter gedacht: Wir Bürger müssten in alle notwendigen staatlichen Informationen, abgesehen von persönlichen Daten, einblicken können. Ist es nicht absolut verrückt, wenn die europäische Zulassungsbehörde zustimmt, dass Glyphosat [Anmerkung der Redaktion: Derzeit ist der Film Roundup, der Prozess online abrufbar] aufgrund geheim gehaltener, firmeneigener Untersuchungsergebnisse von Monsanto zugelassen werden kann? Wir öffnen damit Lobbyismus und Bestechlichkeit Tür und Tor und schaffen die totale Intransparenz! Ich denke, wenn man das Thema Transparenz durch entsprechende Gesetzgebung ernsthaft angeht und zudem mehr Volksabstimmungen in Bund und EU erlaubt, entsteht mehr Mündigkeit der Bürger und die Politikverdrossenheit geht zurück.
Ergebnis dieses Vorgehens wären mit hoher Wahrscheinlichkeit bessere, regionalere und vor allem nachhaltigere Produkte. Und ein wichtiger Schritt in Richtung Sicherung einer gutenLandwirtschaft sowie nachhaltigen Ernährungskultur, welche immer mehr Konsumenten wollen. Also alles Themen, für die sich auch die Schweisfurth Stiftung mit großer Kraft einsetzt.

Vielen Dank, Herr Illi!

 

Stephan Illi
ist Berater für Kooperationen und Organisationsentwicklung sowie Projektleiter von wir-kooperieren.org. Der studierte Agraringenieur war sieben Jahre lang geschäftsführender Vorstand im Demeter Bundesverband in Darmstadt. Zuvor war er 13 Jahre als Geschäftsführer der Demeter Milchbauerngemeinschaft und Demeter Erzeugerberater in Bayern mit dem Schwerpunkt Umstellungsberatung tätig. Er lebt in Prien am Chiemsee.

Was hat das Schnitzel auf dem Teller mit der Qualität von Honig zu tun?

Dieser überraschende Zusammenhang wurde beim Treffen im Rahmen des Aktionsbündnisses „Ackergifte? – Nein Danke!“ im September 2017 deutlich. Vertreter des Bio-Fachhandels, der Aktion GEN-Klage und des Europäischen Berufsimkerverbandes trafen am Runden Tisch in der Schweisfurth Stiftung auf zwei Honig-Produzentinnen aus Mexiko. Die indigenen Maya Imkerinnen berichteten über ihre derzeitige Lage in Mexiko.

Seit die mexikanische Regierung 2012 die Genehmigung erteilte, unter anderem auf der Halbinsel Yucatán genetisch veränderte Soja-Monokulturen großflächig anzupflanzen, wurden riesige ehemalige Waldgebiete in Monokulturen verwandelt. Damit einher geht der Rückgang der Artenvielfalt und der intensive Einsatz des Pestizids Glyphosat. Auch die Bienen bleiben vor den Auswirkungen nicht verschont. Im Honig können seither immer wieder deutliche Rückstände von Glyphosat oder gentechnisch veränderten Pflanzen nachgewiesen werden, was auch bedeutet, dass der Honig in Europa nicht verkauft werden darf. Damit ist ein Teil des kulturellen Erbes der Maya durch den wegfallenden Markt unmittelbar bedroht.

Sojaanbau führt zu einseitigem Speiseplan für Bienen

Wenn man an Soja und Nahrung denkt, kommen vielen Menschen Produkte wie Tofu, Sojamilch oder Fleischersatzprodukte in den Sinn. Tatsächlich wird der Anbau von Gen-Soja vor allem indirekt über den Fleischkonsum gefördert. Etwa 80% der weltweiten Soja-Ernte wird als relativ günstiges Futtermittel für Nutztiere verwendet. In der EU ist der Anbau von Gen-Soja verboten, der Import jedoch erlaubt. Da die EU-Länder selbst nicht genug Futtermittel für ihre Nutztiere produzieren, werden große Mengen an Soja importiert. 80% der weltweit angebauten Sojapflanzen sind offiziell genverändert, somit auch der Großteil des Futtermittels in der EU.

Das Fazit: Höherer Fleischkonsum => mehr Bedarf an Sojafuttermittel => mehr Soja-Anbau => weniger Pflanzenauswahl für die Bienen => mehr Belastung im Honig

Was kann ich als Konsument*in tun?

Durch bewussten Fleischkonsum können wir indirekt einen Teil dazu beitragen, dass langfristig Honig in guter Qualität und ohne Glyphosat- oder Gentechnikrückstände in den Supermarktregalen zu finden ist. Bewusster Konsum bedeutet zum Beispiel weniger Fleisch, Bio-Fleisch oder Fleisch mit der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ zu essen. Damit verringert sich der Bedarf an Soja und der Anreiz Gen-Soja illegal anzubauen.

Konsequenzen kulinarischer Genüsse aus der Ferne

Es gibt guten regionalen Honig, wozu brauche ich dann Honig aus Mexiko? Die Konsequenzen exotischer Genüsse sind oft schwer zu durchschauen. Am Runden Tisch wurde an diesem Tag deutlich, dass ich mit einem bewussten Fleischkonsum sowohl meine Freude am Honig als auch die Maya-Imker in Yucatán unterstützen kann.

Die Autorin Fenja Hehl studiert Umweltbildung an der PH Weingarten und absolviert aktuell ein Praktikum in der Schweisfurth Stiftung.

Die internationale Vielfalt des Urban Gardening

„Soll ich die Bohne in meinen Hinterhof in Aleppo pflanzen oder lieber gleich meinen Hunger damit stillen, bevor sie möglicherweise später jemand schneller erntet als ich?“ Vor allem bei konkreten Projekten wurde es besonders spannend auf der von der Schweisfurth Stiftung unterstützten Internationalen Urban Farming Conference in Berlin am 11. und 12. September 2017.

177 Teilnehmende aus 30 Ländern spiegelten die Vielfalt der vertretenen Projekte wider. Marielle Dubbeling von der RUAF Foundation bezeichnete in ihrer Eröffnungsrede diese Vielfalt als Möglichkeit, um auf die unterschiedlichen Herausforderungen beim Urban Gardening individuelle Antworten zu finden.

Urbanes Gärtnern von Berlin bis Rosario

Vor Herausforderungen stehen sowohl die Projekte im globalen Süden, als auch die Teilnehmenden aus dem Norden. So beschrieben zum Beispiel die Mitglieder des Gemeinschaftsgartens Almende Kontor bei der Exkursion auf dem Tempelhofer Feld die Schwierigkeiten, die mit dem Strukturwechsel von einer „freien Gestaltung“ hin zu per Luftbild dokumentierten und nummerierten Beeten verbunden sind.

Mit ganz anderen Problemen beschäftigen sich die Projekte im globalen Süden: Am zweiten Konferenztag lag der inhaltliche Fokus darauf, welche Rolle Urban Farming hier in Krisenzeiten übernimmt, beziehungsweise inwiefern Krisen das urbane Gärtnern fördern. Dies wurde unter anderem in den Beiträgen von Javier Alejandro und Laura Bracalenti aus Rosario/Argentinien oder Zoé Beau von 15th Garden in Syrien deutlich.

Bei der Podiumsdiskussion und auch später bei der Abschlussdiskussion im Fishbowl-Format wurden inhaltliche Spannungen thematisiert, die mit dem Engagement des Nordens im Süden verbunden sein können. Zum Beispiel, wenn Studenten mit dem festen Vorsatz in den Süden reisen, dort etwas nach ihren Vorstellungen ändern zu wollen. Oder bei Projekten, die auf Grund des unterschiedlichen Materialzugangs im Norden und Süden nur bedingt übertragbar sind. Schade, dass kaum Zeit dafür blieb, mehr auf die Impulse, Fragen und Erfahrungen aus dem Publikum einzugehen.

Stadt-Land-Beziehung: eine internationale Herausforderung

Dr. Niels Kohlschütter, Geschäftsführer der Schweisfurth Stiftung, war mit einer interaktiven Präsentation des Stiftungs-Projekts Werkstatt Stadt – Land –Tisch vertreten. Die Werkstätten bieten Akteuren aus Stadt und Land einen Raum, um kreative Ideen, Produkte, soziale Innovationen oder das lokale Netzwerk weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt dabei auf einer nachhaltigen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die Gestalterinnen und Mitmacher sind unter anderem Bürger*innen der Region, Landwirt*innen und Gärtner*innen, lokale Initiativen und Projekte, Start-ups, Handwerksbetriebe rund um die Lebensmittelverarbeitung oder Teilnehmende aus Politik und Verwaltung.

Der Vortrag knüpfte thematisch an den Workshop „Vernetzung Stadt-Land“ vom Vortag an: „Spannend! Sowohl der interaktive Einstieg in die Poster-Präsentation, als auch das Projekt Werkstatt Stadt – Land –Tisch an sich“, zeigte sich Martina Kolarek von der Initiative Die Boden Schafft Berlin interessiert, während immer mehr Menschen zu der regen Diskussion dazukamen.

Die Präsentation wird auf der Homepage der Grünen Liga zum Download bereitstehen.

Anmeldung zum Erfolgs-Workshop Bodensee-Oberschwaben

Anmeldung zum Erfolgs-Workshop
der Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Oberschwaben

Für die Anmeldung bitte das untenstehende Formular ausfüllen und absenden.

In den vergangenen Wochen nach der Mitmach-Konferenz ist viel passiert! Was passiert, wenn über 150 motivierte GestalterInnen einen Tag lang über die nachhaltige Entwicklung der Region Bodensee-Oberschwaben diskutieren? Die Schweisfurth Stiftung und der Verein wirundjetzt e.V. haben es mit der Region zusammen ausprobiert und sind vom Erfolg begeistert: 24 Projekte, Initiativen und Unternehmen aus der Region stellten sich am 7. Mai 2017 im Schwörsaal in Ravensburg vor. An 14 Thementischen entstanden Lösungen und konkrete nächste Schritte. Der fruchtbare Austausch und die neuen Partnerschaften wirken bis heute nach.

Deshalb treffen wir uns mit allen interessierten TeilnehmerInnen und Akteuren am 18. November 2017 zum Fortsetzungs-Workshop erneut in Ravensburg. Wir tauschen uns mit den anderen Aktiven über das bisher Umgesetzte aus, sprechen über gegenwärtige und neue Herausforderungen, konkretisieren Visionen und werden gemeinschaftlich in dem Workshop die nächsten Schritte erarbeiten. Das Programm wird individuell nach dem Bedarf der TeilnehmerInnen gestaltet.

Wir greifen den Faden der Mitmach-Konferenz auf und werden uns im Rahmen des Workshops in kleinerer Runde persönlich austauschen und weiter kennenlernen. Die Vernetzung und das aktive Mitgestalten der Region stehen auch beim Erfolgs-Workshop im Mittelpunkt.
Eingeladen sind sowohl alle Menschen aus der Region, die bereits in einem Projekt, einer Initiative oder einem Unternehmen aktiv sind und zur nachhaltigen Gestaltung der Region beitragen. Sowie alle Personen, die bei der Mitmach-Konferenz aktiv waren oder es jetzt werden wollen. Sie alle sind herzlich eingeladen, sich für den Workshop anzumelden. Die Teilnahme ist kostenlos. Wir freuen uns auf Ihr und Euer kommen.

Anmeldung bitte bis zum 25. Oktober 2017 unter dem untenstehenden Formular.

Das Workshop-Programm wird Ihnen und Euch im Vorfeld des Workshops per E-Mail zugeschickt.
Die „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ findet auf Initiative der Schweisfurth Stiftung und in Kooperation mit wirundjetzt e.V., dem Netzwerk zur Förderung der Nachhaltigkeit in der Region Bodensee-Oberschwaben, statt. Der Nachbereitungs-Workshop wird mit freundlicher Unterstützung und in Zusammenarbeit der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg sowie in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, durchgeführt.

Informationen und Kontakt:
Schweisfurth Stiftung                                                                                        wirundjetzt e.V.
Rupprechtstr. 25, 80636 München                                                                   Obersiggingerstr. 14 88693 Deggenhausertal
Matthias Middendorf, werkstatt@schweisfurth-stiftung.de                Simon Neitzel, werkstatt@wirundjetzt.org
Tel. 089 / 179595-14                                                                                                 Tel. 0151 / 21615968
Anmeldeformular:

Begeisterte Teilnehmer bei der ersten Mitmach-Konferenz

Rund 150 TeilnehmerInnen kamen am 7. Mai 2017 in Ravensburg zur „Werkstatt Stadt-Land-Tisch: Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee Oberschwaben“ der Schweisfurth Stiftung und des Vereins wirundjetzt e.V. zusammen. Ziel war es die unterschiedlichsten GestalterInnen der Region zu vernetzen und neue Kooperationen und nächste Schritte zu erarbeiten – und das ist auf beeindruckende Art und Weise gelungen! Neben dem erfolgreichen Erfahrungsaustausch gibt es ganz konkrete Ergebnisse aus der Arbeitsphase: Zum Beispiel den regelmäßigen Humus-Stammtisch in Ravensburg, geplante Solawi-Neugründungen und neue Mitgliedsunternehmen für das Projekt Bürgerkarte. Im Herbst 2017 ist zudem ein gemeinsamer Nachbereitungs-Workshop geplant. Bilder von der Veranstaltung finden Sie auf der Facebook Seite der Schweisfurth Stiftung.

Sonntag 7. Mai 2017, 10:00 Uhr in Ravensburg: Der Schwörsaal im Waaghaus ist gut gefüllt. Rund 150 Personen aus (Land-)Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft finden sich zur Mitmach-Konferenz des Vereins wirundjetzt e.V. und der Schweisfurth Stiftung ein. Auf einem belebten „Markt der Herausforderungen und Möglichkeiten“ präsentieren 24 Projekte, Initiativen und Unternehmen ihre Ideen und Konzepte für die Region vom Bodensee über Oberschwaben bis hin ins Allgäu: Über nachhaltige und alternative Landwirtschaftskonzepte wie am Gemeinschaftsstand von vier Solidarischen Landwirtschaften, das Projekt Yes! We Can Farm, Initiativen wie Foodsharing, Urban Gardening Projekte und die Gemeinwohl-Ökonomie oder ein Start-up für CO2-Zertifikate durch nachhaltigen Humus-Aufbau. Alle greifen das Themenfeld „Nachhaltig leben“ auf ihre Art und Weise auf.

Kernteam plus Schweisfurth Stiftung

Die Mitmach-Konferenz ist das Ergebnis einer langen Vorbereitung. Seit Herbst 2016 organisierte ein Kernteam aus regionalen Initiativen und Einzelpersonen rund um wirundjetzt e.V. die Konferenz komplett ehrenamtlich. Unterstützt haben die Veranstaltung viele regionale Kooperationspartner und einige Sponsoren, sowie die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeit – RENN.süd. Die Schweisfurth Stiftung übernahm die Projektentwicklung und koordinierte die Konferenz federführend mit den regionalen Partnern.

Eröffnet wurde die Konferenz durch das Grußwort von Veerle Buytaert, Klimaschutzmanagerin des Gemeindeverbandes Mittleres Schussental und Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg. In Vertretung für den Schirmherren der Veranstaltung, Dr. Daniel Rapp, Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, spannte Frau Buytaert den Bogen von der globalen Agenda-2030 der Vereinten Nationen, bis hin zum Engagement für den Klimaschutz in der Region Bodensee-Oberschwaben. Im nächsten Programmpunkt lernten die TeilnehmerInnen in vier Impulsvorträgen spannende und innovative Projekte aus der Region kennen: Von der Bedeutung des Bodens und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Land durch die Kulturland Genossenschaft, über alternative Konzepte am Beispiel der solidarischen Landwirtschaft, ein neues Konzept einer Bürgeraktiengesellschaft für die Region durch die Regionalwert AG, bis hin zur regionalen Ökonomie am Beispiel des sozial-innovativen Kundenbindungsprojektes der Bürgerkarte.

Anschließend wurde in Kleingruppen an Thementischen zu aktuellen Herausforderungen im Themenfeld „Nachhaltig leben“ gearbeitet. Insgesamt 14 Initiativen und Unternehmen beteiligten sich daran. Konkrete Ergebnisse des ergiebigen Austausches sind unter anderem: ein regelmäßiger Humus-Stammtisch, mehrere geplante Solawi-Neugründungen, drei neue Mitgliedsunternehmen für das Projekt Bürgerkarte, ein Filmprojekt zum Thema Humus-Zertifikate-Handel, ein Nachbereitungs-Workshop für die Mitmach-Konferenz – und ganz nebenbei wurde die Vermarktungsfrage für ein Bruderhahn-Projekt gelöst.

Zudem wurde deutlich, dass die Vernetzung und der öffentliche Auftritt für die KlimaschutzmanagerInnen aus der Region große Vorteile bringen und ihre Arbeit vorantreibt. „Die Teilnahme an der Mitmachkonferenz hat uns fundamental gestärkt. Es hat uns ermöglicht in kurzer Zeit konkrete und gezielte Fortschritte zu machen, unser Netzwerk auszubauen und unsere Kompetenzen weiter zu entwickeln“, sagt Veerle Buytaert, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg, nach der Konferenz.

„Es ist schön zu sehen, dass wir mit der Veranstaltung auf ein konkretes Bedürfnis der regionalen Initiativen eingehen konnten. Viele haben sich diesen Raum zum Zusammenkommen und gemeinsamen Arbeiten gewünscht“, so Matthias Middendorf, Leiter des Projekts „Werkstatt Stadt-Land-Tisch“ der Schweisfurth Stiftung. Eine positive Bilanz zieht auch Simon Neitzel, Vorstand von wirundjetzt e.V., der die Veranstaltung gemeinsam mit Matthias Middendorf organisiert hat: „Die vielen Projekte sind bekannter und glaubwürdiger geworden. Es konnte eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden. Einige haben neue Kooperationspartner gefunden und alle Projekte haben bessere Voraussetzungen für die Zukunft“.

Im Nachgang der Mitmach-Konferenz finden verschiedene Informationsveranstaltungen, Workshops, Fortbildungen, Stammtische, Aktionen und Beratungstreffen der teilnehmenden Initiativen statt. Alle Termine und AnsprechpartnerInnen werden fortlaufend über die Homepage von wirundjetzt e.V. kommuniziert und an alle TeilnehmerInnen per E-Mail geschickt. „Nun gilt es die entstandenen Ideen und Kooperationsmöglichkeiten weiter voranzutreiben“, so Matthias Middendorf. Dafür ist im Herbst ein gemeinsamer Nachbereitungs-Workshop für die LeiterInnen der Thementische und weitere interessierte Personen geplant.

Die Schweisfurth Stiftung wird das Format in andere Regionen übertragen und freut sich über Anfragen und Angebote von Regionen und Kooperationspartnern.

Land, Landschaft, Landwirtschaft 2071

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Hubert Wiggering und Dr. Dietmar Schallwich, Universität Potsdam

2017 – 2071! Nicht nur ein Zahlendreher, sondern zwei Blickrichtungen, nach vorne und zurück. Wie gehen wir heute und wie werden wir im Jahre 2071 mit unserem Land, mit unserer Landschaft umgehen? Gewiss ist, dass auch 2071 die Landwirtschaft noch die vorrangige Flächennutzerin sein wird. Aber welche Landwirtschaft wird das sein? Diese Debatte erhitzt bereits heute die wissenschaftliche Diskussion wie auch die landwirtschaftliche Praxis und die Politik. Gerade letztere müsste dabei aufzeigen, wo es langgehen soll und damit gegebenenfalls Wahrheiten aussprechen, die auch mal wehtun können. Der zunehmend industriell ausgerichteten Landwirtschaft steht eine eher kleinstrukturierte, auf familiären Betrieben fußende Landwirtschaft entgegen. Der Fachbegriff würde Agrikultur lauten, ein besonders treffender Begriff, da er die Kultur gleich mit umfasst. Geht diese Kultur bei der industriellen Landwirtschaft verloren?

Zudem wird nicht ganz ohne Grund behauptet, dass die Landwirtschaft auch voll­ständig auf den Ökolandbau umgestellt werden und immer noch eine wachsende Erd­bevölkerung ernähren könnte.

Wo müssen wir umdenken?

Wenn wir etwa über zu wenig Anbaufläche sprechen, implizieren wir immer, dass wir bei unseren jetzigen Ernährungsgewohnheiten bleiben und die Fläche dabei vor allem für den Anbau von Futtermitteln benötigen. Aber Verhaltensänderungen und Lebensstile sind für den einzelnen Menschen und für die Politik gleichermaßen ein schwieriges Thema.

Auch kommen die verschiedenen Facetten der urbanen landwirtschaftlichen Produktion, vom Gärtnern bis zum wirklichen Landwirtschaften, auf den innerstädtischen Flächen und vor allem vertikal, auf dem Balkon oder an der Hauswand. Diese Entwicklung ist nicht zu unterschätzen. Gleichwohl werden größere Mengen an Getreide und anderen Feldfrüchten auch künftig in der Fläche, im ländlichen Raum produziert werden.
Dabei geht es auch immer wieder um die zukünftige Entwicklung der ländlichen Räume, um Kulturlandschaften – eine besondere Verantwortung nicht nur der Land-, sondern auch der Stadtbevölkerung!

Landwirtschaft 4.0 – die Digitalisierung ist nicht mehr wegzudenken

Über allem liegt die Diskussion um die fortschreitende Digitalisierung, die die Landwirtschaft ganz besonders (be-)trifft. In der Landwirtschaft 4.0. steuert der Landwirt über eine entsprechende Netzinfrastruktur den gesamten Produktionsprozess mittels seines Tablets oder Smartphones – ein cyberphysisches System also, kurz CPS. Das sind komplexe Softwaremodule, die mit Sensoren und Geräten vernetzt sind und kontinuierlich große Datenmengen aus allen möglichen Prozesssegmenten erfassen, auswerten und dabei verdichten und mit örtlichen Geodaten verschneiden, sprich veredeln. Am Ende stehen keine Rohdaten, sondern Smart Data, die in Echtzeit über meist drahtlose Kommunikationseinrichtungen ins globale Netz eingespeist und für die weiteren Entscheidungs- und Steuerungsprozesse zur Verfügung gestellt werden, welche ihrerseits mehr und mehr autonom, also ohne Eingriff des Menschen, ablaufen. Das passiert dann alles nicht mehr im ländlichen Betrieb, sondern irgendwo in der sogenannten Cloud.

Der Beruf Landwirt im klassischen Sinne hat sich dieser digitalen Entwicklung – im Jahr 2071 – längst angepasst. Die Landwirtschaft teilt sich in terrestrische, aquatische und vielleicht auch schon extraterrestrische Landwirtschaft auf, jeweils horizontal und vertikal gegliedert. Die Entscheidungen bezüglich der Produktion werden im Detail nicht mehr vom Management des jeweiligen landwirtschaftlichen Industriebetriebes getroffen, sie werden in Form einer „erweiterten Realität“ (augmented reality) über ein „Agrotablet“ an die Agronomen übermittelt und allenfalls noch mit einem OK quittiert, wenn nicht übergeordnete strategische Interessen etwas anderes vorgeben. Aus der Vielzahl und Vielfalt der Daten (Big Data) zu betriebsspezifischen Rahmenbedingungen, konkreten Standortgegebenheiten und aktuellem jahreszeitlichen Wetterverlauf sind präzise Handlungsempfehlungen geworden, in die auch bereits hochgerechnete Marktanalysen und mögliche konkurrierende Nutzungsinteressen eingeflossen sind. Der Landwirt als Produzent und Vermarkter muss sich darum nicht mehr kümmern, sondern verfolgt sie allenfalls aus Interesse. Im Jahr 2017 mag es uns etwas eigenartig anmuten, dass so ein Agrotablet unaufgefordert mit dem Landwirt Kontakt aufnimmt und Veränderungen über den Zustand der landwirtschaftlich genutzten Flächen, Produktionstürme oder Aquakulturen und die entsprechenden Reaktionen und Maßnahmen darauf nur noch mitteilt, aber 2071 wundert sich darüber niemand mehr. Die Landwirtschaft hat sich mit allem, was dazu gehört, auf die Digitalisierung eingelassen. Die Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette – ausgehend von der Primärproduktion, bis in alle Facetten der Veredelung – sind in Echtzeit verfolgbar.

Flächennutzung im Jahr 2071

Bereits Landwirtschaft 4.0, insbesondere aber Landwirtschaft 7.0 basiert auf einer in sich konsistenten landwirtschaftlichen Infrastruktur. Um die Stadt herum werden ringförmig Felder zum Anbau von Pflanzen als Energielieferanten angelegt, die die primäre Aufgabe haben, die aus neuartigen Abwassersystemen gewonnenen „Schlämme“ zu reinigen und als Ressource nutzbar zu machen. Von dort aus werden Energierohstoffe etwa in Form von Biogas zurück in die Stadt geführt. Gärreste wie konzentrierte Biogasgülle werden durch Umkehr­osmose ausgefiltert und fließen als Nährstoffe ins weitere Umland, wo im nächsten Ring vor allem jenes Gemüse angebaut wird, das nicht für die Kultivierung in den vertikalen Produktionstürmen oder auf den Dachgärten und Freiflächen in der Stadt geeignet ist. Diesem Ring schließt sich ein weiterer mit klassischer, flächenbezogener Landwirtschaft an. Die Produktionsschwerpunkte passen sich dabei den lokalen natürlichen Gegebenheiten an, d. h. auf besseren Böden wird Ackerbau (ohne Tierhaltung) betrieben, gefolgt von Grünlandgebieten mit Tierbestand. Eine solche Entwicklung ist nicht nur bis 2071 denkbar, sondern wir sind mancherorts schon heute auf dem Weg dahin.

Digitale Technik erhöht dabei zweifelsohne die Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft, gewährleistet eine stärker umweltschonende Produktion und gleichzeitig eine bessere Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Umweltprobleme von heute wird es nicht mehr geben, vielleicht oder sicherlich dafür neue. Skandale um Lebensmittel- und Versorgungssicherheit werden auch ganz anders aussehen. Wie? Es wird immer stärker um Sabotage und Eingriffe in die Systemabläufe gehen; terroristische Anschläge, seien sie politisch oder kommerziell motiviert, erobern eine neue Aktionsebene – der neue Begriff ist Cyberkriminalität.

Was passiert mit den kleinbäuerlichen Strukturen?

Landwirtschaft 4.0 und Smart Farming findet oft schon in den Hinterhöfen der Wohn­siedlungen statt, aber auch draußen auf dem Bauernhof und auf dem Acker. Die Land­wirtschaft wird im Zuge der Digitalisierung durch eine Reihe von Intensivierungs- und Modernisierungsprozessen zu einer industriellen Wirtschaftsform. Es wird für Pro­duzenten wie Konsumenten teilweise schwer zu akzeptieren sein, was da bereits passiert und noch passieren wird.

Die Pflege der bäuerlichen Kulturlandschaft wird allenthalben gleichgesetzt mit dem Erhalt der kleinbäuerlichen Struktur aus vielen kleinen familiären Betrieben. Diese können jedoch in dem System Landwirtschaft 4.0 kaum noch bestehen, es sei denn, sie finden immer wieder Nischen für sich. Wird es auch eine Rückbesinnung auf die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft geben? Vielleicht ist ein Nebeneinander die Lösung dieses Konfliktes: Neben den klassischen familiären Betrieben bekennt sich die Landwirtschaft dazu, ein Industriezweig zu sein, der höchst innovativ auf den Märkten mitmischt, regional und global, im Jahr 2071.



All dies sind Facetten der Diskussion um die zukünftige Landwirtschaft, die in dem Buch „Land, Landschaft, Landwirtschaft 2071“ aufgegriffen und in einer Erzählung miteinander verwoben werden, auch um die jeweiligen Zusammenhänge und Wechselbeziehungen aufzuzeigen. Manchmal geschieht dies subtil, manchmal provokativ, manchmal auch im Detail analysierend, und immer können Sie sich Ihr Urteil daraus ableiten. In der Erzählung helfen Ihnen dabei Personen, die als Politiker, Wissenschaftler, Berater, Landwirte, Lebensmittelhändler oder einfach als Privatpersonen auftreten. Letztlich müssen wir uns in der Realität aber unabhängig vom Urteil der fiktiven Personen entscheiden, welche Landwirtschaft wir zukünftig wollen. Denn Kühe können auch im 37. Stockwerk eines landwirtschaftlichen Produktionsturmes nach allen vorgeschriebenen Regeln als Nutztiere gehalten werden, wegen oder trotz aller Diskussion um das Tierwohl. Am Ende des Tages müssen aber Sie entscheiden, ob Sie das wollen oder nicht.

„Weiter wie bisher ist keine Option!“ hieß es bereits im letzten Weltagrarbericht der Vereinten Nationen.

Das Buch zeigt auf, wie vielschichtig die Überlegungen zur Landwirtschaft und zur zukünftigen Produktion von Nahrungsmitteln sind. Auch wenn wir uns oft selbst im Wege stehen, gibt es immer Lösungen. Und wir werden in die Verantwortung genommen. Das gilt gleichermaßen für die Landwirte als Primärproduzenten, für die Veredelungsindustrie wie für uns alle als Konsumenten. Dies gilt aber auch für die Wissen­schaftler, die vielen Berater und die Politiker, die zukünftig einfach nur die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Bereits heute lässt sich erahnen, wie schwierig dies auch im Jahre 2071 sein wird, wenn die Landwirtschaft und die Welt sich dramatisch verändert haben werden.

Das Buch „Land, Landschaft, Landwirtschaft 2071“ wurde im Rahmen der von der Schweisfurth Stiftung herausgegebenen Buchreihe „Agrarkultur im 21. Jahrhundert“ gefördert. Es ist 2017 im metropolis Verlag erschienen und hier erhältlich.

Gemeinsam für eine lebenswerte und nachhaltige Region Bodensee

Die erste Mitmach-Konferenz des Ravensburger Vereins wirundjetzt e.V. und der Münchner Schweisfurth Stiftung, lädt Initiativen und Engagierte aus Zivilgesellschaft, (Land-) Wirtschaft, Politik und Verwaltung, sowie alle interessierte Bürgerinnen und Bürger am 7. Mai nach Ravensburg zur Vernetzung und Mitarbeit für eine zukunftsweisende, lebenswerte und nachhaltige Region Bodensee-Oberschwaben ein.

Zahlreiche regionale Initiativen, Vereine und Unternehmen engagieren sich seit Jahren unabhängig voneinander auf unterschiedliche Weise für einen sozial-ökologischen Wandel. Die Mitmach-Konferenz bietet allen Akteuren einen Raum und die Plattform, um den gemeinsamen Erfahrungsschatz zu heben, neue Ideen zu sammeln, an Herausforderungen zu arbeiten und so gemeinsam noch höhere Wirkung für die Region zu entfalten.

Impulsvorträge und Erfahrungsaustausch
Mehr als 100 Aktive aus Zivilgesellschaft, (Land-)Wirtschaft, Politik und Verwaltung kommen am 7. Mai von 10:00-18:00 Uhr in Ravensburg zur „Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Obrschwaben“ zusammen. In vier Impulsvorträgen erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die regionalen Projekte Kulturland Genossenschaft, Solidarische Landwirtschaft Ravensburg e.V., Initiative für eine Regionalwert AG und das Projekt Bürgertaler. Der Nachmittag steht ganz unter dem Motto Mitmachen. An Thementischen sollen die Herausforderungen, Zukunftsvisionen und Möglichkeiten zur Einbindung von BürgerInnen diskutiert werden. „Wir möchten diese einmalige Gelegenheit nutzen, um mit Kollegen, Freunden und interessierten BürgerInnen über vielversprechende Projekte zu diskutieren und neue Ideen zu sammeln“, sagt Simon Neitzel vom wirundjetzt e.V. Mit dabei sein werden Vertreter von: Bürgerkarte, yes we can farm, ReWiG Allgäu eG, weiteren solidarischen Landwirtschaften aus der Region, sowie diverse Vertreter von Nachhaltigkeitsakteuren, Vereinen und Verbänden. Die Schirmherrschaft hat Dr. Daniel Rapp – Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg inne.

 

 

 

 

 

 

Das Projekt Stadt-Land-Tisch
Mitorganisator Matthias Middendorf, Projektleiter bei der Schweisfurth Stiftung, zum Hintergrund: „Die Idee zur Konferenz entstand bei einem Weiterbildungsseminar. Im Gespräch mit Aktiven wurde deutlich, dass es großen Bedarf an Vernetzung und Austausch zwischen den vielen erfolgreichen Projekten in der Region gibt. Unser Ziel ist es, Synergien aufzudecken, neue Kooperationen zu initiieren und das Schwarmwissen aller Teilnehmenden zu nutzen“.

Die Konferenz ist bereits das vierte Veranstaltung der Reihe „Werkstatt Stadt – Land –Tisch“ der Schweisfurth Stiftung. Im Frühjahr fanden bereits Workshop-Formate in Ulm, Freiburg und Altheim statt. Weitere Termine sind in Planung. Der Name Stadt-Land-Tisch ist dabei Programm: Es gilt Menschen aus der Stadt und vom Land an einen Tisch zu bringen, neue Perspektiven zu entdecken und gemeinsam konkrete Lösungsschritte für ökologische, soziale und kulturelle Herausforderungen zu finden. Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden aus der Praxis stehen im Vordergrund.

Das vollständige Programm finden Sie in dem Flyer zum Download als PDF.

Die kostenlose Anmeldung zur Mitmach-Konferenz Bodensee ist bis 2. Mai unter dem Anmeldeformular auf dieser Seite möglich: http://www.schweisfurth-stiftung.de/stadt-land-tisch/bodensee/

 

Anmeldung zur Mitmach-Konferenz Bodensee-Oberschwaben

„Werkstatt Stadt – Land – Tisch“
Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Oberschwaben

Für die Anmeldung bitte das untenstehende Formular ausfüllen und absenden.

Die Veranstaltung hat am 7. Mai stattgefunden. Einen Nachbericht finden Sie hier. Auf die Nachbereitung wird zeitnah an dieser Stelle verlinkt. Bei Rückfragen melden Sie sich bitte bei Matthias Middendorf: mmiddendorf@schweisfurth-stiftung.de

Einladung und Anmeldung
Sonntag, 07. Mai 2017, 10:00 – 18:00 Uhr
Schwörsaal im Waaghaus, Marienplatz 28, 88212 Ravensburg

Wer versorgt unsere Dörfer und Städte? Woher kommen unsere Lebensmittel? Welche neuen (Land-) Wirtschaftskonzepte können unsere Region nachhaltig beleben? Kann eine Art Regionalwährung zur Stärkung unserer regionalen Wirtschaft beitragen?

Die regionale Mitmach-Konferenz „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ hat zum Ziel, GestalterInnen und MacherInnen der Region Bodensee-Oberschwaben sichtbar zu machen, zu unterstützen und zu vernetzen. Es werden gemeinsame Bedarfe und nächste Schritte für eine zukunftsweisende, lebenswerte, enkeltaugliche und innovative Region Bodensee-Oberschwaben erarbeitet. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierte, jung und alt, an BürgerInnen, Engagierte, Initiativen, Projekte, Unternehmen, an Politik und Verwaltung. Es entsteht an dem Tag der Raum zum Mitmachen. Bringen Sie hier Ihr Tun und Ihre Ideen ein! Wir freuen uns auf Ihre aktive Mitgestaltung.

Die Mitmach-Konferenz wird veranstaltet von der Schweisfurth Stiftung und wirundjetzt e.V. und findet in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung statt. Die Schirmherrschaft hat Dr. Daniel Rapp – Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg inne.

Vollständiger Programm-Flyer zum Download als PDF.

 

 

 

 

 

 

 

Für die Teilnahme entstehen Ihnen keine Kosten. Für ein Bio-Catering an dem Tag sorgt:

Kontakt:
Schweisfurth Stiftung                                                               
Matthias Middendorf, werkstatt@schweisfurth-stiftung.de
Tel. 089 / 179595-14 oder 0157 / 79799930

wirundjetzt e.V.
Simon Neitzel, werkstatt@wirundjetzt.org
Tel. 0151 / 21615968

 

Anmeldeformular:

Bauernhof braucht Region – Region braucht Bauernhof

„Ist das ein Schaf oder ein Wollschwein?“ – so lautete die erste Frage der Kinder als wir mit dem Auto auf den Breitenwegerhof bei Freiburg im Breisgau fuhren. Die Antwort gab Betriebsleiterin Katharina Goetjes wenig später bei der Hofführung mit 25 bunt gemischten Teilnehm enden. Auf Initiative der Schweisfurth Stiftung und in Kooperation mit RegioWerk trafen sich am 4. April 2017 Menschen mit unterschiedlichen beruflichen und privaten Hintergründen aus und rund um Freiburg. Ziel war es, neue Möglichkeiten zu entdecken, die sowohl dem Hof helfen, als auch den Bedürfnissen der Menschen aus der Region gerecht werden. Sprich, die Beziehung zwischen Stadt und Land zu stärken.

Hof braucht Region

Der erste Teil der Werkstatt Stadt-Land-Tisch stand unter dem Blickwinkel „Hof braucht Region“. Während der Hofführung wurde direkt erlebbar, was die Menschen, die am Hof arbeiten leisten. Die Kälber auf dem Breitenwegerhof dürfen morgens und abends direkt am Euter der Mutter oder einer Amme trinken. So kommen sie in den Genuss von wichtigen sozialen Kontakten, die ein Eimer mit Milch als „Trinkstelle“ nicht bieten kann. Eindrucksvoll war der Vergleich verschiedener Hühnerrassen. Einerseits die Hybridhühner mit einer hohen Legeleistung, die jedoch nicht vermehrt werden können. Andererseits gleich nebenan das Zweinutzungshuhn der Rasse „Le Bleues“. Diese legen zwar weniger Eier, setzen dafür aber etwas mehr Fleisch an, sodass sie sich auch als Masthuhn eignen. Trotz der Zweinutzung müsste ein Ei der Rasse „Le Bleues“ nach aktuellen Berechnungen des Breitenwegerhofes das Doppelte kosten, um wirtschaftlich zu sein. Im Rahmen einer Seminararbeit an der Universität Freiburg ist eine ausführliche Datenerhebung und betriebswirtschaftliche Berechnung geplant.

Ausmisten, Käseschmieren und Treckerfahren

Eine Besonderheit der „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ in Südbaden war, dass vier Erfahrungsbotschafter im Vorfeld die Möglichkeit hatten, jeweils einen Tag auf dem Hof mitzuarbeiten – vom Ausmisten, Käseschmieren bis hin zum Treckerfahren. Ihre unmittelbaren Eindrücke vom Hofleben und dem Reichtum, der in der Beziehung zum Land liegt, waren wertvolle Beiträge, die den Workshop-Tag bereichert haben. „Mein romantisches Bild der Landwirtschaft wurde zerstört, aber gleichzeitig habe ich mich selten so glücklich und zufrieden gefühlt wie am Ende dieses Tages“, so einer der Botschafter.

Region braucht Hof

Im zweiten Teil der Werkstatt Stadt-Land-Tisch war die Kreativität der Teilnehmenden gefragt. Der Fokus lag auf den Fragen: Was wünscht sich die Region vom Hof? Wie können sich die Menschen der Region am Hof miteinbringen? Aus der Vorarbeit und der Hofführung haben sich folgende Themenfelder herauskristallisiert:

  • „Soziale Landwirtschaft“ (z.B. Arbeit mit Menschen mit Behinderungen oder Personen mit Burnout)
  • praktische „Mitmach-Aktionen“ auf dem Hof
  • Potentiale für „neue Geschäftsmodelle“ (z.B. Frozen Joghurt in Demeter Qualität)
  • „Region braucht Hof“ (Verbindung von Einkauf und Erlebnis, Ursprung der Lebensmittel aufzeigen)

Es geht weiter

Als wir abends vorbei an den Mangalitza Wollschweinen nach Hause fuhren, wurden die neu-entwickelten Ideen und Konzepte eifrig diskutiert. In Kleingruppen werden die gehobenen Möglichkeiten für Region und Hof konkretisiert. Anfang Mai geht es weiter. Interessierte sind herzlich willkommen und können sich bei werkstatt@regio-werk.de oder werkstatt@schweisfurth-stiftung.de melden.

Werkstatt Stadt — Land — Tisch

Der Name Stadt-Land-Tisch ist Programm: Es gilt Menschen aus der Stadt und vom Land an einen Tisch zu bringen, neue Perspektiven zu entdecken und gemeinsam konkrete Lösungsschritte für ökologische, soziale und kulturelle Herausforderungen zu finden. Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden aus der Praxis stehen im Vordergrund. Ausführliche Informationen zum Projekt „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ folgen an dieser Stelle in Kürze.

 

 

 

 

Erfolgs-Workshop Region Bodensee-Oberschwaben am 18.11.2017 in Ravensburg
Die Veranstaltung ist bereits die fünfte Veranstaltung der Reihe „Werkstatt Stadt – Land –Tisch“. 2017 fanden bereits Formate in Ulm, Freiburg, Altheim und Ravensburg statt. Der „Erfolgs-Workshop“ am 18. November knüpft an die Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Oberschwaben an, welche im Mai 2017 in Ravensburg stattgefunden hat.

Das Programm und das Online-Formular zur Anmeldung zum Erfolgs-Workshop finden Sie hier unter diesem Link.

Die „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ findet auf Initiative der Schweisfurth Stiftung und in Kooperation mit wirundjetzt e.V., dem Netzwerk zur Förderung der Nachhaltigkeit in der Region Bodensee-Oberschwaben, statt. Der Nachbereitungs-Workshop wird mit freundlicher Unterstützung und in Zusammenarbeit der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg sowie in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, durchgeführt.

 

Fruchtbare Gärten in der Betonwüste

Schon langsam kommt wieder Bewegung in die Gärtnerei und den Garten im Leipziger Westen. Die ersten Vorbereitungen für das Frühjahr beginnen, die Anzucht von Jungpflanzen im Glashaus ist bereits in vollem Gang. Wir sind zu Besuch bei einem wahren Leuchtturmprojekt für nachhaltige Stadtteilentwicklung – der ANNALINDE gGmbH.

Ein Garten für alle

ANNALINDE betreibt urbane Landwirtschaft mitten in einem Wohngebiet in Leipzig. In mobilen Hochbeeten aus recycelten Paletten, in Reissäcken oder in Tetra-Paks werden Pflanzen angebaut. Die eifrigen Gärtner aus der Nachbarschaft verwenden dafür sortengerechtes Saatgut, chemische Düngemittel sind tabu. Dabei packen alle mit an – Kinder, Jugendliche, Erwachsene und passionierte Gärtner schaffen gemeinsam eine Oase der biologischen Vielfalt. Das Obst und Gemüse wird nicht nur zusammen gesät, gepflanzt und geerntet, sondern auch im Café vor Ort verarbeitet und konserviert. Zum Ursprungsprojekt, dem Gemeinschaftsgarten, kam im Jahr 2012 eine 5.000 m2 große Gärtnerei dazu und 2016 pachtete das gemeinnützige Unternehmen eine weitere Brachfläche und setzte darauf eine Streuobstwiese an.

Bei unserem Besuch Anfang Februar 2017 befand sich die Gärtnerei im Stadtteil Lindenau noch im Winterschlaf.

Bei unserem Besuch Anfang Februar 2017 befand sich die Gärtnerei im Stadtteil Lindenau noch im Winterschlaf.

Die Möglichmacher

Neben Mitgründer und Geschäftsführer Dominik Renner und dem Gärtner Philipp Scharf wird das Projekt unter anderem von einer Auszubildenden und bis zu fünf Bundesfreiwilligendienstleistenden getragen. „Es ist wirklich beeindruckend wieviel Herzblut die Beteiligten in das Projekt stecken – man fühlt sich hier sofort willkommen. Gleichzeitig ist die ANNALINDE gGmbH ein sehr professioneller und perfekt organisierter Betrieb, der eine Vielzahl an Projekten umsetzt und dafür bereits zahlreiche Auszeichnungen erhielt“, findet unser Mitarbeiter Matthias Middendorf, der die Gärtnerei im Anfang Februar besucht hat.

ANNALINDE Akademie

Seit 2014 bietet die gGmbH mit der ANNALINDE Akademie auch Umweltbildung für Schulen, Kitas und Unternehmen rund um den nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen. Die vielseitige Vorhaben der ANNALINDE wurden bereits als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt und als Werkstatt N Projekt ausgezeichnet und erhielt den Leipziger Agenda-Preis 2014 und 2015 sowie den 1. Preis in der Kategorie „regionaler Garten- und Gemüsebau“ beim Wettbewerb „BodenWertSchätzen“. „Das Projekt ANNALINDE zeigt, wie wichtig Gärten für Menschen und ihre Städte sind. Besonders beeindruckend ist die Vielzahl der Angebote, die der Garten bietet. Die Menschen haben Spaß und finden dort Ausgleich zu ihrem oft stressigen Alltag. Gleichzeitig lernen sie etwas über die Natur, die Vielfalt und vielleicht auch über sich selbst. Ein tolles Projekt, das als gutes Beispiel auch für andere Städte dient“, sagt UN-Dekade-Botschafterin Shary Reeves.

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Hinter den Kulissen beginnt im Frühjahr 2017 bereits die Anzucht von Jungpflanzen für die neue Saison in der Gärtnerei.

Zukunftspläne

Im Förderprojekt „Urbane Agrikultur im Leipziger Westen“ entwickelt das gemeinnützige Unternehmen die drei Bereiche Soziales, Ökologie und Ökonomie bis 20 18 kontinuierlich weiter. Es gibt schon zahlreiche Ideen für neue, einzigartige Projekte und die bestehenden Initiativen sollen weitergeführt und ausgebaut werden. Mittelfristig ist ein eigener Inklusionsbetrieb im Sinne einer sozialen Landwirtschaft in der Gärtnerei geplant.  Für diese Weiterentwicklung wird die ANNALINDE gGmbH vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und von der Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis gefördert. Die Schweisfurth Stiftung unterstützt das Projekt im Rahmen seines Entwicklungs- und Forschungsfeldes Stadt-Land-Tisch.

Einen inspirierenden Einblick in den grünen Stadt-Garten von ANNALINDE gibt dieser Filmbeitrag aus der ARTE-Reihe „Stadtoasen“.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Urbane Agrikultur im Leipziger Westen

Landwirtschaft in die Städte zurückholen und dabei wirtschaftliche, ökologische und auch soziale Zwecke gleichermaßen einbeziehen. Diesen Ansatz verfolgt die ANNALINDE gGmbH in Leipzig. Die Schweisfurth Stiftung unterstützt die sozial-innovative Gärtnerei aus Gründen der Vorreiterrolle in Sachsen.

Nachhaltige Stadtentwicklung in Leipzig
Landwirtschaft in der Stadt hat in Leipzig eine lange Tradition. Alleine im Stadtteil Lindenau gab es zu Beginn des letzten Jahrhunderts mehr als 40 Gärtnereien, die vor allem Zierpflanzen anbauten. Seit Juni 2011 leistet die ANNALINDE gGmbH im Leipziger Westen einen positiven Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Das Projekt betreibt mittlerweile einen Gemeinschaftsgarten, die letzte verbliebene Gärtnerei im Stadtteil, eine Streuobstwiese auf einer Brachfläche eines ehemaligen Güterbahnhofs und die ANNALINDE Akademie, die als Schnittstelle zwischen den Projektflächen dient und umweltpädagogische Arbeit leistet. Ein Förderprojekt, welches durch die Schweisfurth Stiftung unterstützt wird, soll in den kommenden zwei Jahren die Multifunktionalität der Gärtnerei in sozialer, ökologischer und ökonomischer Dimension weiterentwickeln.

Gärtnerei, Gemüseangebot und Gemeinschaftsbildung
Die ANNALINDE Gärtnerei verbessert mit ihren 5.000 Quadratmetern die Verfügbarkeit von gesunden und lokalen Lebensmitteln über das Angebot von Abokisten mit Gemüse und Kräutern. Durch eine Kooperation mit den Lindenwerkstätten Panitzsch der Diakonie kann seit 2015 das Angebot an Lagergemüse erhöht werden. Neben der gesunden Ernährung ermöglicht das gemeinnützige Unternehmen neue Impulse für die lokale Wirtschaft, stärkt soziale Teilhabe und die Gemeinschaftsbildung im Stadtteil. Urbane Landwirtschaft steigert zudem die Biologische Vielfalt in der Stadt.

Zielsetzung des Projekts
Im Förderprojekt  „Urbane Agrikultur im Leipziger Westen“ möchte ANNALINDE die drei Bereiche Soziales, Ökologie und Ökonomie bis 2018 kontinuierlich weiterentwickeln. Letztlich sollen weitere marktfähige Produkte und Dienstleistungen angeboten und das Projekt verstetigt werden. Neben Mitgründer und Geschäftsführer Dominik Renner und dem Gärtner Philipp Scharf, wird das Projekt unter anderem von einer Auszubildenden und bis zu vier Bundesfreiwilligen-Dienstleistenden getragen. Mittelfristig ist ein eigener Inklusionsbetrieb im Sinne einer sozialen Landwirtschaft in der Gärtnerei geplant. Für diese Weiterentwicklung wird ANNALINDE vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert und zusätzlich durch die Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis unterstützt. Die Schweisfurth Stiftung fördert ANNALINDE im Rahmen des Förderprojektes durch die Mitfinanzierung einer Auszubildenden- und Bundesfreiwilligendienst-Stelle.

Im Sommer 2017 folgt an dieser Stelle ein Bericht zum Projektfortschritt. Bis dahin bietet Ihnen dieser Filmbeitrag aus der ARTE-Reihe „Stadtoasen“ einen inspirierenden Eindruck von den Tätigkeiten der ANNALINDE gGmbH.

Kurz-gut

Projektname: Urbane Agrikultur im Leipziger Westen
Startschuss:
2016
Status:
läuft
Wirkungskreis:
bundesweit 
Zielgruppe:
Bürgerinnen und Bürger in Leipzig
Maßnahme:
Förderung der sozialen Dimension des Projektes durch die Mitfinanzierung einer Auszubildenden- und Bundesfreiwilligendienst-Stelle
Leitung / Ansprechpartner/in:
Dominik Renner, ANNALINDE gGmbH
Mehr unter: http://annalinde-leipzig.de/projects/urbane-agrikultur/

Headerfoto: © ANNALINDE gGmbH

Garteln in der Stadt: Interview mit Britta-Marei Lanzenberger

Die Gartensaison 2016 hat begonnen! Rund 50.000 Münchnerinnen und Münchner garteln in den unterschiedlichen gemeinschaftlich organisierten Urbanen Gärten. Aktuell werden Samen und Setzlinge getauscht und neue Pflanzen gezogen. Wir haben zu Saisonbeginn mit Britta-Marei Lanzenberger gesprochen, die das Projekt Urbane Gärten München koordiniert, welches u.a. durch die Schweisfurth Stiftung gefördert wird.

Schweisfurth Stiftung: Das „Netzwerk Urbane Gärten München“ wurde 2011 initiiert. Was war der Anlass für die Gründung der Initiative?

Britta-Marei Lanzenberger: Die BürgerStiftung München hatte damals festgestellt, dass sowohl sie, als auch die Selbach-Umwelt-Stiftung, teilweise in Kooperation mit dem Referat für Umwelt und Gesundheit, Schulgärten gefördert hatte. Gleichzeitig förderte die BürgerStiftung gemeinsam mit der anstiftung & ertomis einen interkulturellen Garten in München. Da der Stiftungszweck teilweise inhaltlich mit der Schweisfurth Stiftung und der Gregor Louisoder Umweltsstiftung übereinstimmte, bot es sich an, diese Überschneidungen auch durch eine gemeinsame Förderung zu einem größeren Schwerpunkt zusammenzubinden. Dieser ist die Förderung von Urbanen Gärten in München. Dazu gehört Öffentlichkeitsarbeit, politische Arbeit, Netzwerkarbeit und Bildungsarbeit.

Was konnte in den vergangenen fünf Jahren durch die Arbeit des Netzwerks erreicht werden?  

Es wurde eine Webseite erstellt, die alle Informationen zu Urbanen Gärten enthält. Es gab eine Recherche als Bestandsaufnahme aller Gärten in München – also Urbane Gärten, Schulgärten, therapeutische Gärten, Kleingärten, Krautgärten, deren Standorte auf einer differenzierten Karte auf der Webseite dargestellt wurde. Es wurden und werden Treffen und runde Tische mit den verschiedenen Gartengruppen organisiert; jährlich zwei Netzwerktreffen, zu denen alle Gärten eingeladen werden. Ein Kongress in der Technischen Universität München zum Thema und seine vielen ökologischen, sozialen und Bildungs- und Klimafunktionen fand großen Anklang. Als größtes Problem in München stellt sich nach wie vor die Frage nach Flächen, es gibt mehr Nachfrage als Angebot. Ein Gespräch mit der Stadtbaurätin wurde gesucht, verschiedene Referate eingebunden, ein Ansprechpartner gefunden. Das Netzwerk präsentiert sich und die Gärten regelmäßig auf öffentlichen Veranstaltungen, wie dem Saatgutfestival, dem Streetlife Festival oder dem PARKing Day. Es ist wichtig, der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wie viele Gärten es in München gibt und welche Aufgaben sie haben. Dazu haben wir einen Strukturplan erstellt, der die Bedeutung von Gärten in der Stadt aufzeigt.

Wo sehen Sie aktuelle und zukünftige Herausforderungen für das „Netzwerk Urbane Gärten München“? 

Die größte Herausforderung ist die zunehmende Verdichtung der Stadt. Grundstücke werden immer rarer und teurer. Es geht dabei ja nicht nur um Flächen zum gemeinsamen Gärtnern sondern um Freiflächen überhaupt. Freiflächen bedeutet für uns eben nicht nur professionell gestaltete Flächen zur vorgeschrieben Nutzung sondern ungestaltete Flächen, die den BürgerInnen zur Verfügung stehen, um sie selber nach ihren Wünschen und Bedürfnissen völlig frei zu gestalten – oder vielleicht gar nicht gestalten – zu können. Um dieser Forderung Nachdruck zu geben, müssten sich aber die GärtnerInnen zusammenschließen und ihr Tun als gesellschaftlich-politische Handlung wahrnehmen. Das ist leider bisher kaum der Fall. Da wir in einer konsumorientierten Wohlstandgesellschaft leben, haben wir nicht wie in anderen Ländern (z.B. Kuba) den Druck, uns selber um die Herkunft von unseren Lebensmitteln zu kümmern. Das Gärtnern ist eine Art Luxusbeschäftigung. Wie wichtig diese Beschäftigung aber für unsere seelische Gesundheit ist, erkennen erst ganz wenige Menschen.

Was würden Sie sich wünschen? 

Ich wünsche mir, dass die Bedeutung und die positiven Einflüsse von Urbanen Gärten von der Stadtpolitik mehr wahrgenommen und anerkannt werden. Gartenflächen dürfen nicht als Konkurrenz zu Bauflächen wahrgenommen werden. Von den einzelnen Gärten – also den Gärtnerinnen und Gärtnern – wünsche ich mir, dass sie selber mehr über ihre Beetränder hinausschauen und ihr Tun – wie schon oben genannt – als gesellschaftlich wichtigen Beitrag erkennen. Dazu gehört auch mehr Vernetzung und Zusammenhalt untereinander.

Mit welchen Problemen sind die Gärtnerinnen und Gärtner, sowie die Gärten an sich, konfrontiert? Gibt es Vandalismus oder Diebstahl?  

Erfahrungsgemäß gibt es die größten Probleme innerhalb der Gartengruppen – da sind immer Menschen, die sehr aktiv sind und viel für die Gemeinschaft tun, und solche, die sich weniger engagieren und vielleicht nicht so gemeinschaftsorientiert handeln. Häufig sind die Hauptverantwortlichen überfordert und ziehen sich irgendwann zurück. Wenn es einen starken Wechsel bei den GärtnerInnen gibt, ist es schwierig, die Gruppe aufrecht zu erhalten und die neuen immer wieder einzubinden. Es gibt auch Fälle von Diebstahl, das kommt auch auf die Lage und Gestaltung der Gärten an. Man muss damit rechnen, dass mal ein Kohlkopf geklaut wird – bei uns waren es letztes Jahr allerdings alle 10 auf einen Schlag, das ist dann schon ärgerlich. Vandalismus ist glücklicherweise sehr selten.

Wie kann der interessierte Münchner Bürger mitgärtnern oder selbst einen Garten im urbanen Raum gründen? An wen kann ich mich wenden, wenn ich aktiv werden möchte?

Am besten auf unserer Webseite informieren. Da sind alle Gärten mit Ansprechpartner aufgelistet und beschrieben. Ein Garten sollte möglichst in der Nähe der Wohnung liegen oder auf dem Weg zum Arbeitsplatz, sonst geht die Lust daran schnell verloren. Dann sollte man prüfen, ob einem der Garten, das Konzept und die Menschen dort ansprechen. Möchte man selber einen Garten gründen, sollte eine Fläche vorhanden sein und möglichst auch Mitmacherinnen. Konkrete Unterstützung bei Gründung und Umsetzung gibt die anstiftung.

Welche Veranstaltungen und Aktionen sind vom Netzwerk in diesem Jahr geplant?  

Am 26.6.2016 ist Tag der Offenen Gartentür, an dem sich einige Gärten in München beteiligen. Am 17.7.2016 wird es eine Fahrradtour durch die Urbanen Gärten im Osten von München geben. Im September werden wir wieder am Streetlifefestival teilnehmen. Und am 11. November 2016 findet wieder unser Netzwerktreffen statt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Britta-Marei-Lanzenberger
betreut seit Mai 2014 das Projekt „Netzwerk Urbane Gärten München“ und engagiert sich selbst im WerkBox³-Kultgarten. Das Netzwerk-Projekt geht auf eine Initiative von fünf Stiftungen, darunter die Schweisfurth Stiftung, im Jahr 2011 zurück. Es wird zudem durch das Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt gefördert. Mehr Informationen zur Münchner Stiftungsinitiative für Urbanes Gärtnern finden Sie in unserer Projektbeschreibung.

Zum anschaun und mitmachen:

Großstadtgärtner in der BR-Mediathek: Ein Film von Julia Seidl
Einladung zur Webinar-Reihe der anstiftung: Kompost- und Trockentrenntoiletten für Gemeinschaftsgärten

Mehr grün wagen: Stiftungsinitiative für Urbanes Gärtnern

Gibt es in meiner Nähe einen Gemeinschaftsgarten? Wo bekomme ich Tipps, um eigenen Kompost herzustellen? Und kann mir jemand sagen, wo es gutes Saatgut gibt? Die Stiftungsinitiative für Urbanes Gärtnern bietet Antworten und vernetzt Selbstversorger und Gärtner in und um München.

Es grünt!
Um die 50.000 Münchnerinnen und Münchner sind bereits in unterschiedlich gemeinschaftlich organisierten Gärten in und um München aktiv. Die Vielfalt an städtischen Nutzgärten ist groß und die Nachfrage nach ihnen wächst. Dabei treffen traditionelle Formen des Gärtnerns auf neue, sozial innovative Nutzungskonzepte. Das Ergebnis sind Gemeinschafts-, Nachbarschafts- und Krautgärten, aber auch Interkulturelle, Pädagogische und Therapeutische Konzepte. Dazu kommen Schul- und Experimentier-, sowie Kleingärten. Alle Projekte bilden neue Räume der Begegnung, des Selbermachens und der Integration. Dabei sensibilisieren die Gärten die Stadtbewohner für lokale Lebensmittel und ihre Qualität.
Die Stiftungsinitiative für urbanes Gärtnern setzt sich seit 2011 für die Anerkennung und Ausweitung dieser neuen Formen des urbanen Gärtnerns in München ein und sorgt dafür, dass die Akteure im Großstadtdschungel zueinanderfinden.

Gemeinsam den Austausch fördern
Die Initiative bringt gemeinsam das Thema “Mehr Gärten in der Stadt” voran. Dazu haben sich die Schweisfurth Stiftung, die Bürgerstiftung München, die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis, die Selbach Umweltstiftung und die Gregor Louisoder Umweltstiftung zusammengeschlossen. Das Projekt wird zudem durch das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München unterstützt. Die Aufgaben sind die Vernetzung der urbanen Gärten, Öffentlichkeitsarbeit, politische Arbeit, die Organisation von Netzwerktreffen und Workshops, sowie die Betreuung des eigens entwickelten Internetportals.

Onlineplattform der Urbanen Gärten
Für die Arbeit wurde im Auftrag der Stiftungsinitiative eine Bestandsaufnahme der urbanen Gartenaktivitäten in und um München durchgeführt. Die Ergebnisse sind in die Entwicklung des Internetportals geflossen, welches seit Januar 2013 online ist. Das Portal stellt alle urbanen Gärten und Aktivitäten, sowie das Netzwerk von Organisationen aus dem Bereich urbane Landwirtschaft und Stadtökologie vor. Zudem gibt es Hintergrundinformationen, einen Terminkalender, ein Forum und ein „Schwarzes Brett“, auf dem zum Beispiel Pflanzen, Geräte oder Grundstücke angeboten und gesucht werden können. Außerdem verlinkt das Internetportal der Initiative auf eine eigene Übersichtskarte, auf der alle urbanen Gärten in München verzeichnet werden.

 

Kurz-gut

Projektname: Stiftungsinitiative für Urbanes Gärtnern
Startschuss:
2011
Status:
läuft
Wirkungskreis:
lokal
Zielgruppe:
Urbane Gärten in und um München, GärtnerInnen, Interessierte
Maßnahme:
Gründungsmitglied der Stiftungsinitiative
Leitung / Ansprechpartner/in:
Britta-Marai Lanzenberger, Bürgerstiftung München
Mehr unter:
http://urbane-gaerten-muenchen.de/