Call for Papers zur Tagung „Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance“

Das Netzwerk Ernährungskultur (Esskult.net) & die Schweisfurth Stiftung/Deutsches Netzwerk Ernährungsethik (DNEE) laden Wissenschaftler/innen und Interessierte zur Tagung nach Fulda ein. Vom 9.-11. November 2017 stehen an der Hochschule Fulda urbane Ernährungssysteme und ihre Rolle in der kommunalen Nachhaltigkeits-Governance im Fokus. Ziel der Tagung ist es, neue Ansätze und Konzepte einer urbanen Food Governance zu beleuchten sowie ihre Potenziale und Grenzen auszuloten und zu diskutieren.

Wer kann am Call for Papers teilnehmen?

Eingeladen sind Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachdisziplinen, wie Soziologie, Politikwissenschaften, Kulturwissenschaften, Ethnografie, Geschichtswissenschaften oder Geografie. Wir möchten vor allem Nachwuchswissenschaftler/innen auffordern, sich mit wissenschaftlich-theoretischen oder praxisorientierten-empirischen Beiträgen zu bewerben.

Bis 15. Juni 2017 können Abstracts mit max. 2.500 Zeichen zu den folgenden Fragestellungen rund um das Thema urbane Food Governance eingereicht werden:

  • Auf welche Probleme, gesellschaftliche Herausforderungen und Bedarfe reagieren die Projekte und Initiativen einer urbanen Food Governance?
  • In welchem Verhältnis definieren sie sich zur etablierten kommunalen Politik und anderen Stakeholdern (z. B. Ernährungswirtschaft)?
  • Welche Ziele verfolgen sie und welche Lösungsansätze stellen sie vor?
  • Welche Rolle spielen hierbei Konzepte, wie soziale Innovationen, Postkapitalismus / Postwachstum oder gesellschaftliche Transformation?
  • Mit welchen Herausforderungen sind die Projekte und Initiativen konfrontiert?
  • Welche Akzeptanz und welchen Zuspruch finden sie in der Bevölkerung?
  • Mit welchen alternativen Wertvorstellungen sind sie verbunden?
  • Inwieweit spielt hierbei die Integration Geflüchteter eine Rolle?

Genauere Informationen finden Sie im offiziellen Call for Papers.

Urban Food Governance

Veränderte Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert (wie globalisierter Handel von Lebens- und Futtermitteln, Urbanisierung oder Auswirkungen des Klimawandels) und neue Ansprüche der Konsument/innen in den westlichen Industrieländern (wie Nachhaltigkeit und Fairness) führen dazu, dass sich die städtische Lebensmittelversorgung grundlegend wandelt und die Ernährungspolitik in die Stadt „zurückkehrt“. Internationale Initiativen wie beispielsweise der Milan Urban Food Policy Pact appellieren an Kommunen und andere Stakeholder, die integrative Funktion des Themas Ernährung als Treiber für Stadtentwicklungsziele – wie Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Gesundheit, Raumplanung und Bildung – zu nutzen, Projekte im Bereich der lokalen Lebensmittelproduktion zu fördern und urban-regionale Ernährungsstrategien zu entwickeln.

Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance
Termin: 9.-11. November 2017
Ort: Hochschule Fulda
Call for Papers: einzureichen bis spätestens 15. Juni 2017

Begeisterte Teilnehmer bei der ersten Mitmach-Konferenz

Rund 150 TeilnehmerInnen kamen am 7. Mai 2017 in Ravensburg zur „Werkstatt Stadt-Land-Tisch: Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee Oberschwaben“ der Schweisfurth Stiftung und des Vereins wirundjetzt e.V. zusammen. Ziel war es die unterschiedlichsten GestalterInnen der Region zu vernetzen und neue Kooperationen und nächste Schritte zu erarbeiten – und das ist auf beeindruckende Art und Weise gelungen! Neben dem erfolgreichen Erfahrungsaustausch gibt es ganz konkrete Ergebnisse aus der Arbeitsphase: Zum Beispiel den regelmäßigen Humus-Stammtisch in Ravensburg, geplante Solawi-Neugründungen und neue Mitgliedsunternehmen für das Projekt Bürgerkarte. Im Herbst 2017 ist zudem ein gemeinsamer Nachbereitungs-Workshop geplant. Bilder von der Veranstaltung finden Sie auf der Facebook Seite der Schweisfurth Stiftung.

Sonntag 7. Mai 2017, 10:00 Uhr in Ravensburg: Der Schwörsaal im Waaghaus ist gut gefüllt. Rund 150 Personen aus (Land-)Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft finden sich zur Mitmach-Konferenz des Vereins wirundjetzt e.V. und der Schweisfurth Stiftung ein. Auf einem belebten „Markt der Herausforderungen und Möglichkeiten“ präsentieren 24 Projekte, Initiativen und Unternehmen ihre Ideen und Konzepte für die Region vom Bodensee über Oberschwaben bis hin ins Allgäu: Über nachhaltige und alternative Landwirtschaftskonzepte wie am Gemeinschaftsstand von vier Solidarischen Landwirtschaften, das Projekt Yes! We Can Farm, Initiativen wie Foodsharing, Urban Gardening Projekte und die Gemeinwohl-Ökonomie oder ein Start-up für CO2-Zertifikate durch nachhaltigen Humus-Aufbau. Alle greifen das Themenfeld „Nachhaltig leben“ auf ihre Art und Weise auf.

Kernteam plus Schweisfurth Stiftung

Die Mitmach-Konferenz ist das Ergebnis einer langen Vorbereitung. Seit Herbst 2016 organisierte ein Kernteam aus regionalen Initiativen und Einzelpersonen rund um wirundjetzt e.V. die Konferenz komplett ehrenamtlich. Unterstützt haben die Veranstaltung viele regionale Kooperationspartner und einige Sponsoren, sowie die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeit – RENN.süd. Die Schweisfurth Stiftung übernahm die Projektentwicklung und koordinierte die Konferenz federführend mit den regionalen Partnern.

Eröffnet wurde die Konferenz durch das Grußwort von Veerle Buytaert, Klimaschutzmanagerin des Gemeindeverbandes Mittleres Schussental und Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg. In Vertretung für den Schirmherren der Veranstaltung, Dr. Daniel Rapp, Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, spannte Frau Buytaert den Bogen von der globalen Agenda-2030 der Vereinten Nationen, bis hin zum Engagement für den Klimaschutz in der Region Bodensee-Oberschwaben. Im nächsten Programmpunkt lernten die TeilnehmerInnen in vier Impulsvorträgen spannende und innovative Projekte aus der Region kennen: Von der Bedeutung des Bodens und der nachhaltigen Bewirtschaftung von Land durch die Kulturland Genossenschaft, über alternative Konzepte am Beispiel der solidarischen Landwirtschaft, ein neues Konzept einer Bürgeraktiengesellschaft für die Region durch die Regionalwert AG, bis hin zur regionalen Ökonomie am Beispiel des sozial-innovativen Kundenbindungsprojektes der Bürgerkarte.

Anschließend wurde in Kleingruppen an Thementischen zu aktuellen Herausforderungen im Themenfeld „Nachhaltig leben“ gearbeitet. Insgesamt 14 Initiativen und Unternehmen beteiligten sich daran. Konkrete Ergebnisse des ergiebigen Austausches sind unter anderem: ein regelmäßiger Humus-Stammtisch, mehrere geplante Solawi-Neugründungen, drei neue Mitgliedsunternehmen für das Projekt Bürgerkarte, ein Filmprojekt zum Thema Humus-Zertifikate-Handel, ein Nachbereitungs-Workshop für die Mitmach-Konferenz – und ganz nebenbei wurde die Vermarktungsfrage für ein Bruderhahn-Projekt gelöst.

Zudem wurde deutlich, dass die Vernetzung und der öffentliche Auftritt für die KlimaschutzmanagerInnen aus der Region große Vorteile bringen und ihre Arbeit vorantreibt. „Die Teilnahme an der Mitmachkonferenz hat uns fundamental gestärkt. Es hat uns ermöglicht in kurzer Zeit konkrete und gezielte Fortschritte zu machen, unser Netzwerk auszubauen und unsere Kompetenzen weiter zu entwickeln“, sagt Veerle Buytaert, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg, nach der Konferenz.

„Es ist schön zu sehen, dass wir mit der Veranstaltung auf ein konkretes Bedürfnis der regionalen Initiativen eingehen konnten. Viele haben sich diesen Raum zum Zusammenkommen und gemeinsamen Arbeiten gewünscht“, so Matthias Middendorf, Leiter des Projekts „Werkstatt Stadt-Land-Tisch“ der Schweisfurth Stiftung. Eine positive Bilanz zieht auch Simon Neitzel, Vorstand von wirundjetzt e.V., der die Veranstaltung gemeinsam mit Matthias Middendorf organisiert hat: „Die vielen Projekte sind bekannter und glaubwürdiger geworden. Es konnte eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden. Einige haben neue Kooperationspartner gefunden und alle Projekte haben bessere Voraussetzungen für die Zukunft“.

Im Nachgang der Mitmach-Konferenz finden verschiedene Informationsveranstaltungen, Workshops, Fortbildungen, Stammtische, Aktionen und Beratungstreffen der teilnehmenden Initiativen statt. Alle Termine und AnsprechpartnerInnen werden fortlaufend über die Homepage von wirundjetzt e.V. kommuniziert und an alle TeilnehmerInnen per E-Mail geschickt. „Nun gilt es die entstandenen Ideen und Kooperationsmöglichkeiten weiter voranzutreiben“, so Matthias Middendorf. Dafür ist im Herbst ein gemeinsamer Nachbereitungs-Workshop für die LeiterInnen der Thementische und weitere interessierte Personen geplant.

Die Schweisfurth Stiftung wird das Format in andere Regionen übertragen und freut sich über Anfragen und Angebote von Regionen und Kooperationspartnern.

Gemeinsam für eine lebenswerte und nachhaltige Region Bodensee

Die erste Mitmach-Konferenz des Ravensburger Vereins wirundjetzt e.V. und der Münchner Schweisfurth Stiftung, lädt Initiativen und Engagierte aus Zivilgesellschaft, (Land-) Wirtschaft, Politik und Verwaltung, sowie alle interessierte Bürgerinnen und Bürger am 7. Mai nach Ravensburg zur Vernetzung und Mitarbeit für eine zukunftsweisende, lebenswerte und nachhaltige Region Bodensee-Oberschwaben ein.

Zahlreiche regionale Initiativen, Vereine und Unternehmen engagieren sich seit Jahren unabhängig voneinander auf unterschiedliche Weise für einen sozial-ökologischen Wandel. Die Mitmach-Konferenz bietet allen Akteuren einen Raum und die Plattform, um den gemeinsamen Erfahrungsschatz zu heben, neue Ideen zu sammeln, an Herausforderungen zu arbeiten und so gemeinsam noch höhere Wirkung für die Region zu entfalten.

Impulsvorträge und Erfahrungsaustausch
Mehr als 100 Aktive aus Zivilgesellschaft, (Land-)Wirtschaft, Politik und Verwaltung kommen am 7. Mai von 10:00-18:00 Uhr in Ravensburg zur „Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Obrschwaben“ zusammen. In vier Impulsvorträgen erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die regionalen Projekte Kulturland Genossenschaft, Solidarische Landwirtschaft Ravensburg e.V., Initiative für eine Regionalwert AG und das Projekt Bürgertaler. Der Nachmittag steht ganz unter dem Motto Mitmachen. An Thementischen sollen die Herausforderungen, Zukunftsvisionen und Möglichkeiten zur Einbindung von BürgerInnen diskutiert werden. „Wir möchten diese einmalige Gelegenheit nutzen, um mit Kollegen, Freunden und interessierten BürgerInnen über vielversprechende Projekte zu diskutieren und neue Ideen zu sammeln“, sagt Simon Neitzel vom wirundjetzt e.V. Mit dabei sein werden Vertreter von: Bürgerkarte, yes we can farm, ReWiG Allgäu eG, weiteren solidarischen Landwirtschaften aus der Region, sowie diverse Vertreter von Nachhaltigkeitsakteuren, Vereinen und Verbänden. Die Schirmherrschaft hat Dr. Daniel Rapp – Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg inne.

 

 

 

 

 

 

Das Projekt Stadt-Land-Tisch
Mitorganisator Matthias Middendorf, Projektleiter bei der Schweisfurth Stiftung, zum Hintergrund: „Die Idee zur Konferenz entstand bei einem Weiterbildungsseminar. Im Gespräch mit Aktiven wurde deutlich, dass es großen Bedarf an Vernetzung und Austausch zwischen den vielen erfolgreichen Projekten in der Region gibt. Unser Ziel ist es, Synergien aufzudecken, neue Kooperationen zu initiieren und das Schwarmwissen aller Teilnehmenden zu nutzen“.

Die Konferenz ist bereits das vierte Veranstaltung der Reihe „Werkstatt Stadt – Land –Tisch“ der Schweisfurth Stiftung. Im Frühjahr fanden bereits Workshop-Formate in Ulm, Freiburg und Altheim statt. Weitere Termine sind in Planung. Der Name Stadt-Land-Tisch ist dabei Programm: Es gilt Menschen aus der Stadt und vom Land an einen Tisch zu bringen, neue Perspektiven zu entdecken und gemeinsam konkrete Lösungsschritte für ökologische, soziale und kulturelle Herausforderungen zu finden. Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden aus der Praxis stehen im Vordergrund.

Das vollständige Programm finden Sie in dem Flyer zum Download als PDF.

Die kostenlose Anmeldung zur Mitmach-Konferenz Bodensee ist bis 2. Mai unter dem Anmeldeformular auf dieser Seite möglich: http://www.schweisfurth-stiftung.de/stadt-land-tisch/bodensee/

 

Anmeldung zur Mitmach-Konferenz Bodensee-Oberschwaben

„Werkstatt Stadt – Land – Tisch“
Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Oberschwaben

Für die Anmeldung bitte das untenstehende Formular ausfüllen und absenden.

Die Veranstaltung hat am 7. Mai stattgefunden. Einen Nachbericht finden Sie hier. Auf die Nachbereitung wird zeitnah an dieser Stelle verlinkt. Bei Rückfragen melden Sie sich bitte bei Matthias Middendorf: mmiddendorf@schweisfurth-stiftung.de

Einladung und Anmeldung
Sonntag, 07. Mai 2017, 10:00 – 18:00 Uhr
Schwörsaal im Waaghaus, Marienplatz 28, 88212 Ravensburg

Wer versorgt unsere Dörfer und Städte? Woher kommen unsere Lebensmittel? Welche neuen (Land-) Wirtschaftskonzepte können unsere Region nachhaltig beleben? Kann eine Art Regionalwährung zur Stärkung unserer regionalen Wirtschaft beitragen?

Die regionale Mitmach-Konferenz „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ hat zum Ziel, GestalterInnen und MacherInnen der Region Bodensee-Oberschwaben sichtbar zu machen, zu unterstützen und zu vernetzen. Es werden gemeinsame Bedarfe und nächste Schritte für eine zukunftsweisende, lebenswerte, enkeltaugliche und innovative Region Bodensee-Oberschwaben erarbeitet. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierte, jung und alt, an BürgerInnen, Engagierte, Initiativen, Projekte, Unternehmen, an Politik und Verwaltung. Es entsteht an dem Tag der Raum zum Mitmachen. Bringen Sie hier Ihr Tun und Ihre Ideen ein! Wir freuen uns auf Ihre aktive Mitgestaltung.

Die Mitmach-Konferenz wird veranstaltet von der Schweisfurth Stiftung und wirundjetzt e.V. und findet in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung statt. Die Schirmherrschaft hat Dr. Daniel Rapp – Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg inne.

Vollständiger Programm-Flyer zum Download als PDF.

 

 

 

 

 

 

 

Für die Teilnahme entstehen Ihnen keine Kosten. Für ein Bio-Catering an dem Tag sorgt:

Kontakt:
Schweisfurth Stiftung                                                               
Matthias Middendorf, werkstatt@schweisfurth-stiftung.de
Tel. 089 / 179595-14 oder 0157 / 79799930

wirundjetzt e.V.
Simon Neitzel, werkstatt@wirundjetzt.org
Tel. 0151 / 21615968

 

Anmeldeformular:

Bauernhof braucht Region – Region braucht Bauernhof

„Ist das ein Schaf oder ein Wollschwein?“ – so lautete die erste Frage der Kinder als wir mit dem Auto auf den Breitenwegerhof bei Freiburg im Breisgau fuhren. Die Antwort gab Betriebsleiterin Katharina Goetjes wenig später bei der Hofführung mit 25 bunt gemischten Teilnehm enden. Auf Initiative der Schweisfurth Stiftung und in Kooperation mit RegioWerk trafen sich am 4. April 2017 Menschen mit unterschiedlichen beruflichen und privaten Hintergründen aus und rund um Freiburg. Ziel war es, neue Möglichkeiten zu entdecken, die sowohl dem Hof helfen, als auch den Bedürfnissen der Menschen aus der Region gerecht werden. Sprich, die Beziehung zwischen Stadt und Land zu stärken.

Hof braucht Region

Der erste Teil der Werkstatt Stadt-Land-Tisch stand unter dem Blickwinkel „Hof braucht Region“. Während der Hofführung wurde direkt erlebbar, was die Menschen, die am Hof arbeiten leisten. Die Kälber auf dem Breitenwegerhof dürfen morgens und abends direkt am Euter der Mutter oder einer Amme trinken. So kommen sie in den Genuss von wichtigen sozialen Kontakten, die ein Eimer mit Milch als „Trinkstelle“ nicht bieten kann. Eindrucksvoll war der Vergleich verschiedener Hühnerrassen. Einerseits die Hybridhühner mit einer hohen Legeleistung, die jedoch nicht vermehrt werden können. Andererseits gleich nebenan das Zweinutzungshuhn der Rasse „Le Bleues“. Diese legen zwar weniger Eier, setzen dafür aber etwas mehr Fleisch an, sodass sie sich auch als Masthuhn eignen. Trotz der Zweinutzung müsste ein Ei der Rasse „Le Bleues“ nach aktuellen Berechnungen des Breitenwegerhofes das Doppelte kosten, um wirtschaftlich zu sein. Im Rahmen einer Seminararbeit an der Universität Freiburg ist eine ausführliche Datenerhebung und betriebswirtschaftliche Berechnung geplant.

Ausmisten, Käseschmieren und Treckerfahren

Eine Besonderheit der „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ in Südbaden war, dass vier Erfahrungsbotschafter im Vorfeld die Möglichkeit hatten, jeweils einen Tag auf dem Hof mitzuarbeiten – vom Ausmisten, Käseschmieren bis hin zum Treckerfahren. Ihre unmittelbaren Eindrücke vom Hofleben und dem Reichtum, der in der Beziehung zum Land liegt, waren wertvolle Beiträge, die den Workshop-Tag bereichert haben. „Mein romantisches Bild der Landwirtschaft wurde zerstört, aber gleichzeitig habe ich mich selten so glücklich und zufrieden gefühlt wie am Ende dieses Tages“, so einer der Botschafter.

Region braucht Hof

Im zweiten Teil der Werkstatt Stadt-Land-Tisch war die Kreativität der Teilnehmenden gefragt. Der Fokus lag auf den Fragen: Was wünscht sich die Region vom Hof? Wie können sich die Menschen der Region am Hof miteinbringen? Aus der Vorarbeit und der Hofführung haben sich folgende Themenfelder herauskristallisiert:

  • „Soziale Landwirtschaft“ (z.B. Arbeit mit Menschen mit Behinderungen oder Personen mit Burnout)
  • praktische „Mitmach-Aktionen“ auf dem Hof
  • Potentiale für „neue Geschäftsmodelle“ (z.B. Frozen Joghurt in Demeter Qualität)
  • „Region braucht Hof“ (Verbindung von Einkauf und Erlebnis, Ursprung der Lebensmittel aufzeigen)

Es geht weiter

Als wir abends vorbei an den Mangalitza Wollschweinen nach Hause fuhren, wurden die neu-entwickelten Ideen und Konzepte eifrig diskutiert. In Kleingruppen werden die gehobenen Möglichkeiten für Region und Hof konkretisiert. Anfang Mai geht es weiter. Interessierte sind herzlich willkommen und können sich bei werkstatt@regio-werk.de oder werkstatt@schweisfurth-stiftung.de melden.

Werkstatt Stadt — Land — Tisch

Der Name Stadt-Land-Tisch ist Programm: Es gilt Menschen aus der Stadt und vom Land an einen Tisch zu bringen, neue Perspektiven zu entdecken und gemeinsam konkrete Lösungsschritte für ökologische, soziale und kulturelle Herausforderungen zu finden. Die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden aus der Praxis stehen im Vordergrund. Ausführliche Informationen zum Projekt „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ folgen an dieser Stelle in Kürze.

 

 

 

 

Erfolgs-Workshop Region Bodensee-Oberschwaben am 18.11.2017 in Ravensburg
Die Veranstaltung ist bereits die fünfte Veranstaltung der Reihe „Werkstatt Stadt – Land –Tisch“. 2017 fanden bereits Formate in Ulm, Freiburg, Altheim und Ravensburg statt. Der „Erfolgs-Workshop“ am 18. November knüpft an die Mitmach-Konferenz zur nachhaltigen Gestaltung der Region Bodensee-Oberschwaben an, welche im Mai 2017 in Ravensburg stattgefunden hat.

Das Programm und das Online-Formular zur Anmeldung zum Erfolgs-Workshop finden Sie hier unter diesem Link.

Die „Werkstatt Stadt – Land – Tisch“ findet auf Initiative der Schweisfurth Stiftung und in Kooperation mit wirundjetzt e.V., dem Netzwerk zur Förderung der Nachhaltigkeit in der Region Bodensee-Oberschwaben, statt. Der Nachbereitungs-Workshop wird mit freundlicher Unterstützung und in Zusammenarbeit der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Ravensburg sowie in Kooperation mit den Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien – RENN.süd – vom Rat für Nachhaltige Entwicklung, durchgeführt.

 

Nachhaltigkeit leben und stärken – Auftakt von RENN.süd

Sie verkaufen krummes Gemüse in Kantinen und retten es so vor dem Unterpflügen; Sie setzen auf Gemeinschaft und Verantwortung statt auf Marktwirtschaft; Sie backen gemeinsam mit SeniorInnen Kuchen und helfen ihnen so zum Anschluss an die Gesellschaft: Initiativen wie foodsharing, Querfeld und Kuchentratsch oder Projekte der solidarischen Landwirtschaft gestalten unser lokales Ernährungssystem neu und bringen frischen Wind in starre Systeme. Genau diese Dynamiken standen bei der Auftaktveranstaltung von RENN.süd im Zentrum des Workshops „Soziale Innovationen in der Landwirtschaft“ der Schweisfurth Stiftung.

 
Die vom Rat für Nachhaltige Entwicklung neu eingerichteten Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien in Süddeutschland (RENN.süd) bieten den vielen verschiedenen Akteuren und Initiativen, die sich in Bayern und Baden-Württemberg für ein nachhaltiges Leben engagieren, eine Plattform zum Austausch. Ziel ist es, ihr Engagement über Veranstaltungen oder Weiterbildungen zu fördern und zu verbreiten. Der Fokus der Aktivitäten liegt hierbei auf kleineren Kommunen und ländlichen Gemeinden. Der Startschuss von RENN.süd erfolgte am 11. März 2017 in Ulm. Die Schweisfurth Stiftung hat die Auftaktveranstaltung „Forum für Initiativen rund um nachhaltiges Leben“ mit einem Workshop-Beitrag mitgestaltet.

 
Im Workshop mit dem Titel „Soziale Innovationen in der Landwirtschaft“ haben sich die TeilnehmerInnen mit den aktuell spannenden Dynamiken in der Land- und Ernährungswirtschaft beschäftigt. In allen Bereichen, ob Erzeugung, Verarbeitung, Handel oder auf Netzwerkebene, lassen sich Projekte und Unternehmungen beobachten, die versuchen, gesellschaftlichen und ökologischen Problemen kreativ zu begegnen. Beispiele sind die über 130 deutschen Betriebe der solidarischen Landwirtschaft, die innovativen Projekte gegen Lebensmittelverschwendung wie foodsharing und das Start-up Querfeld, die Sozialunternehmen Kuchentratsch und nearbees oder die sogenannten Ernährungsräte, welche seit letztem Jahr in einigen deutschen Städten das lokale Ernährungssystem mitgestalten.

 

Gruppenarbeitsphase

Das Ziel der verschiedenen, parallel stattfindenden Workshops war es, die alltäglichen Herausforderungen der Akteure zu identifizieren: Wo besteht überregionaler Unterstützungsbedarf? Wo und wie kann RENN.süd unterstützend und fördernd wirken? Als Hemmnisse nannten die TeilnehmerInnen zum Beispiel, dass sich wenig neue Akteure in den Projekten engagieren und wenig Austausch mit der Politik stattfindet. Für viele Projekte ist es zudem notwendig, sich weiter zu professionalisieren. Schließlich wünschen sich viele Initiativen mehr Wertschätzung, vor allem von öffentlichen Stellen. Vom überregionalen Austausch zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen und Bereichen erhoffen sich die TeilnehmerInnen mehr „inhaltliche Tiefe“ für ihre Arbeit.

 

„Ich setze auf den Erfolg der RENN.
Nachhaltigkeit ist – trotz der komplexen Inhalte – sehr einfach:
Menschen in den Mittelpunkt stellen, langfristiges Denken ermutigen,
Ungewohntes möglich machen.“
Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Die Ergebnisse aus den insgesamt 14 verschiedenen Workshops werden nun im Nachgang aufbereitet und der identifizierte Bedarf aufgegriffen, damit die Veranstaltung Wirkung zeigt. RENN.süd wird in den nächsten Jahren als Kooperationspartner unterstützend bei Veranstaltungen, Publikationen, Ausstellungen und ähnlichen Aktionen auftreten. In Kürze werden die Bedingungen für Kooperationen veröffentlicht. Die nächste Möglichkeit zur Mitgestaltung des Netzwerks bietet sich am 18. Mai bei einem Strategieworkshop in Ulm. Interessierte Nachhaltigkeitsakteure können sich hierfür bei den AnsprechpartnerInnen anmelden. Eine Zusammenarbeit mit RENN.süd ist für alle Initiativen und Akteure interessant, die sich mit Fragestellungen rund um das Thema „nachhaltig leben“ beschäftigen, zur Bewusstseinsbildung beitragen oder den Austausch zivilgesellschaftlicher Akteure und Initiativen fördern. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

 

Veranstaltungstipp: Mut machende Alternativen zur Agrarindustrie

Wie die Agrarindustrie Tiere verheizt, landwirtschaftliche Betriebe ruiniert und Ressourcen verschwendet – diesen und weiteren Themen geht Tanja Busse in ihrem Vortrag am 15. Dezember 2016 im Münchner Zukunftssalon nach. Gleichzeitig zeigt sie Mut machende Alternativen und Lösungswege auf.

Kaum eine Woche vergeht ohne Nachrichten zur andauernden Milchkrise in Deutschland. Seit die Milchquote im Jahr 2015 ausgelaufen ist, werden in der EU pro Jahr 160 Millionen Liter Milch zu viel produziert. Die Milchpreise sind dadurch in den Keller gerasselt. Im Sommer berichtete der Tagesspiegel, dass Milchbauern von den Molkereien im Schnitt nur noch 24 Cent pro Liter erhalten. Neben den ökonomischen Einbußen bei den Landwirten führt die Überproduktion vor allem zu noch mehr Tierleid. Die hohe Milchproduktion macht die Kühe krank und unfruchtbar. Schon nach etwa drei Jahren (die natürliche Lebenserwartung beträgt 20 Jahre) werden sie im Melkstand geschlachtet.

Tanja Busse, Moderatorin, Journalistin und seit Dezember 2015 Mitglied im Kuratorium der Schweisfurth Stiftung, übt in ihrem Buch „Die Wegwerfkuh“ schonungslose Kritik an der vorherrschenden Hochleistungslandwirtschaft, die in ihren Augen zugleich eine Verschwendungs- und Vernichtungslandwirtschaft ist.
Beim Vortrag am Donnerstag, 15. Dezember 2016, gibt Tanja Busse Einblicke in ihre Rechercheergebnisse, zeigt auf, wie es hinter den Kulissen der Agrarwirtschaft zugeht und skizziert einen möglichen Weg zur nachhaltigen Agrarwende. Im Anschluss lädt der Veranstalter, das Münchner Forum Nachhaltigkeit, zu einer Diskussion ein, an der auch Dr. Rupert Ebner, Tierarzt und Vorstandsmitglied von Slow Food Deutschland teilnehmen wird.

Zeit: 15. Dezember 2016 // 19:00 bis 21:00 Uhr
Ort: Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29, 80337 München
Anmeldung unter: anmeldung@oekom-verein.de

Veranstaltungshinweis: 10. Münchner Klimaherbst – Gemeinsam handeln für Klimaschutz

Der Münchner Klimaherbst feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Unter dem Motto „Gemeinsam handeln für Klimaschutz“ steht in diesem Jahr bürgerschaftliches Engagement für mehr Klimaschutz im Zentrum des Programms. Zwischen dem 4. und 28. Oktober 2016 können Sie an über 100 Veranstaltungen teilnehmen.

„Kooperation ist die einzig konstruktive Antwort auf den Klimawandel.“ (Christoph Bals, Germanwatch)

Bereits seit 2007 findet die Veranstaltungsreihe statt, die von einem breiten Netzwerk aus Initiativen, Vereinen, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und auch einigen Unternehmen getragen wird. In dem Zeitraum von knapp einem Monat sollen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger Münchens, Jung wie Alt, für das Thema „Klimawandel und Klimaschutz“ sensibilisiert werden.

Neben Carola von Peinen (Talents4Good), Franziska Buch (Umweltinstitut München), Martin Glöckner (Green City) und Alexander Rossner (zukunftswerk), wird unser Vorstand Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald die Veranstaltung „Grün. Macht. Sinn. Der nachhaltige Sektor als Berufsfeld“ am 13. Oktober 2016 von 19:00 bis 20:00 Uhr mitbegleiten.

Angeboten werden viele weitere Veranstaltungen rund um die Themen Boden, Landwirtschaft und Gemeinwohl-Ökonomie. Das gesamte Veranstaltungsprogramm finden Sie hier als Download.

Veranstaltungstipp: Von der Ankunfts- zur Willkommensstadt

Deutschland entwickelt sich zum Einwanderungsland. Geflüchtete brauchen menschenwürdige Unterkünfte. Unter dem Motto „Wohnraum für alle“ rufen Bauträger und Architekten deshalb immer neue Bauinitiativen ins Leben. Neubauten scheinen unvermeidbar, auch wenn sie Millionen kosten und immer mehr Freiflächen verschlingen.
Architektur-Verleger und Buchautor Daniel Fuhrhop dagegen sagt: Neu bauen ist der falsche Ansatz. In seinem Buch „Die Willkommensstadt“ macht er deutlich, dass es in Deutschland genügend Wohnraum gibt – er müsste nur richtig genutzt werden. Anregungen und Impulse sowie beeindruckende Erfolgsbeispiele zu diesem Thema präsentiert Fuhrhop in seinem Vortrag am 26. September 2016 im Rahmen des Münchner Forums Nachhaltigkeit.
„Neubauten erschweren die Integration“
„Neubau für Neubürger ist angesichts bundesweiter Leerstände nicht nötig. Er behindert sogar das Ziel, eine neue Gemeinschaft zu gründen.“, argumentiert Fuhrhop. Für ihn ist die gute Unterbringung von Flüchtlingen der erste Schritt in Richtung Integration. Anstatt ganze Neubaublöcke zu schaffen, die nur von Zuwanderern bewohnt werden, sollten die Neubürger  jeweils über das Stadtgebiet verteilt werden. So hätten sie die Chance, schneller in der Gesellschaft anzukommen. Genauso wichtig sei es, Geflüchtete nicht nur in Ballungsräumen unterzubringen, sondern auch auf dem Land.
Leere Räume kreativ nutzen
Ungenutzte Wohnungen in ländlichen Gebieten geben Flüchtlingen eine neue Heimat. Alleinstehende Menschen, die große Häuser bewohnen, schaffen Einliegerwohnungen. Neue Formen von Wohngemeinschaften und Untervermietung sorgen für Gemeinschaft und Integration: Die Ideen von Daniel Fuhrhop sind vielfältig. Er ist überzeugt, dass sich mit diesen Modellen ein besseres Zusammen-Leben in Deutschland ermöglichen lässt.
In „Die Willkommensstadt“ schildert er zahlreiche Fälle, in denen diese Vision bereits umgesetzt wird. Zugleich spricht er Hindernisse und politischen Handlungsbedarf an. Und er zeigt auf, was jeder Einzelne tun kann, damit eine Ankunfts- zur Willkommensstadt wird.
Auf seinen Vortrag wird – als Einstieg in die Diskussion – Hinrich Böttcher mit einem Impulsreferat reagieren. Hinrich Böttcher ist Diplom-Ingenieur und Architekt, freier Kurator und einer der Initiatoren von „Wohnraum für alle“. Moderation: Dr. Manuel Schneider, Münchner Forum Nachhaltigkeit.
Die Kooperationsveranstaltung des Münchner Forum Nachhaltigkeit mit der Evangelischen Stadtakademie München und der Petra-Kelly-Stiftung findet am 26. September 2016 um 19 Uhr in der Evangelischen Stadtakademie München, Herzog-Wilhelm-Str. 24, statt. Eintritt:5 Euro. Eine Anmeldung unter info@evstadtakademie.de oder 089 5490270 ist erforderlich.
Das Buch von Daniel Fuhrhop „Willkommensstadt. Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden.“ ist im August 2016 im oekom verlag erschienen.

 

Global Ecological Integrity Group – Tagungsbericht Integrität und Allgemeinwohl

Die Global Ecological Integrity Group (GEIG) ist ein internationales Netzwerk. Mehr als 250 Wissenschaftler*Innen und unabhängige Forscher*Innen befassen sich mit Fragen der ökologischen und sozialen Integrität. Aus Sicht verschiedener Disziplinen wie Ökologie, Biologie, Philosophie, Epidemiologie, Public Health, ökologische Ökonomie und internationalem Recht, sowie Agrar-und Politikwissenschaften wird einmal jährlich in einer Tagungswoche an aktuellen Fragen der globalen Entwicklung des Allgemeinwohls gearbeitet.

Die internationale GEIG-Konferenz 2016 fand im April in München an der Hochschule für Philosophie statt. „The Common Good: The Role of Integrity in Support of Life and Human Security“, lautete das Konferenzthema. Mehrere Referenten*Innen gingen ein auf die päpstliche Enzyklika Laudato Si und die aus ihr folgenden Verantwortungszuweisungen an Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Andreas Gösele, Dozent für Sozialethik zeigte z.B. auf, was ganzheitliche Ökologie in dieser Enzyklika bedeutet und welche Veränderungsimpulse für die Umgestaltung der Wirtschaft weltweit (Wirtschaft tötet! so Papst Franziskus an anderer Stelle) abgeleitet werden können. Er führte aus, dass die Enzyklika eine herausragende  philosophische und theologische Unterfütterung der Global Development Goals sei, auf die die Weltgemeinschaft sich im vergangenen Jahr verständigt habe.

Mit seinen Ausführungen knüpfte er auch an den richtungsweisenden Eröffnungsvortrag des internationalen Umweltrechtlers Peter Sand an, der aufzeigte, dass aus der Sorge für die weltweiten Allmenden ein neues Rollenmodell für das menschliche Verhalten in Produktion und Konsum folgen müsse. Mehr denn je sei ein Wandel erforderlich hin zu einem vor- und fürsorgenden Verhalten seitens der Menschheit. Und dies sei zwingend auch auf der Ebene von Verfassungen und anderweitig rechtlich zu verankern.

Das Rollenmodell für dieses Verhalten könne mit Konzepten des „Caretakership, Stewardship, Protectorship oder Trusteeship“ inhaltlich ausgefüllt werden, je nach kulturgeschichtlichem Hintergrund. Nach Sand geht es verstärkt um den Auf- und Ausbau von weltweit anerkannten Institutionen, die für Zurechenbarkeit von Folgen wirtschaftlicher, technischer oder sozialer Eingriffe rechtlich bindend Sorge tragen können.

In der Diskussion zu diesen Beiträgen entstand auch die Überlegung, die aktiven Religionsgemeinschaften weltweit verstärkt in allgemeinwohlrelevante Aktivitäten, wie Klima-, Gewässer – und Bodenschutz einzubeziehen. Da sie alle eine eigene Legislative und Jurisdiktion haben, könnte genau an diesen Rechtsverhältnissen angesetzt werden. Zum Beispiel könnte das bestehende Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche auf die Umsetzung ökologischer und sozialer Entwicklungen in modernen Gesellschaften hin kritisch beleuchtet und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

In vielen Tagungsbeiträgen wurde auf die Dimension der Weiterentwicklung von nationalen Verfassungen oder internationalen Regimes, wie z.B. Handelsabkommen eingegangen. Die Vorschläge bezogen sich auf kosmozentrische Grundlegungen bzw. Erweiterungen von Verfassungen, ferner auf die Integration von Vor-, aber auch Nachsorgeprinzipien und reichten bis zu Anregungen für eindeutige Verfassungsartikel, die gesellschaftliche Entwicklungen weltweit auf ein regeneratives Wirtschaften und eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft ausrichten könnten.

Die Teilnehmer*Innen der Tagung waren sich darin einig, dass es ein neues weltbürgerliches Erwachen brauche. So wurde u.a. auf die enorme Bedeutung der Earth-Charta verwiesen, die eine der Lebendigkeit verpflichtete kosmopolitane, also weltbürgerliche Agenda für mehr Integrität in Institutionen und Organisationen formuliert hat (www.earthcharta.org).

Wie kann eine globale, rechtlich verbindliche Gestaltung (Global Governance) von Allgemeinwohl betreffenden Themen vorangebracht werden? Wie wird sich das Pariser Klimaabkommen realpolitisch auswirken? Wie werden die Sustainable Development Goals gut umgesetzt werden können? Diese Fragen beherrschten die Debatten zwischen den mehr als 30 Vorträgen. Viele Bezüge zu den planetarischen Grenzen bzw. zu einem Leben in einem für die Menschheit sicheren und widerstandsfähigen Handlungsraum (Safe Operating Space) wurden von den Konferenzteilnehmern*Innen eingebracht. Immer wieder wurde dabei die besondere Rolle eines auch moralisch integren Verhaltens des Einzelnen betont, um ökologische und soziale Integrität verwirklichen zu können und zum Allgemeinwohl beizutragen.

Im Anschluss an einen entsprechenden Vortrag des Stiftungsvorstands und Gastgebers der diesjährigen Tagung, Franz-Theo Gottwald, wurde die breite Streuung von Vorschlägen zum Erreichen integren, individuellen Verhaltens unter den Diskussionspartnern*Innen feststellbar. Hierzu gehörten zum Beispiel die politische Setzung und Hinterlegung von Anreizsystemen für ein Verhalten, das unter Gesichtspunkten der Zukunftsgerechtigkeit vorzuziehen sei, also von Gesetzen und Verordnungen. Auch eine verstärkte interkulturelle Kommunikation von religiösen und ethischen Prinzipien wurde genannt. Wichtig war den Teilnehmern*Innen zudem, die Forschung zu intensivieren, wie in unterschiedlichen Kulturen die Brücke zwischen angestrebtem nachhaltigen Verhalten und realer Lebensführung bzw. realem alltäglichem Konsum geschlagen werden können, also wie das sogenannte Consumer Citizen Gap zu schließen sei.

Die Beiträge zur Tagung werden im kommenden Jahr bei Springer Press veröffentlicht.

Die nächste internationale GEIG-Konferenz wird im Sommer 2017 in Kanada stattfinden.

Auf der Flucht: Die globalen Folgen des Klimawandels

Mehr als 20 Millionen Menschen sind bereits heute aufgrund von Klima- und Umweltbedingungen auf der Flucht. Diese Zahl wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Denn mit der Klimaerwärmung werden viele Teile der Erde durch Dürren, Unwetter und Überschwemmungen unbewohnbar werden. Fruchtbares Land verwandelt sich in Wüste, steigende Meeresspiegel lassen Inseln und Küsten versinken. Armut, Hunger und Gewalt werden durch den Klimawandel noch verschärft − eine immer drängendere Herausforderung für die globale Gemeinschaft.

Reicht das Klimaabkommen von Paris?
Nach dem Ende der 21. UN-Klimakonferenz COP21 in Paris waren viele optimistisch. Angesichts des Ernstes der Lage hatten sich selbst die Großmächte USA und China zum Klimaschutz verpflichtet. Doch die Unsicherheit bleibt: Reicht das Klimaschutz-Abkommen von Paris aus, um die Entwicklungen zu stoppen? Welche Konsequenzen hat die Klimaerwärmung mittel- und langfristig? Was braucht es für einen effektiven Klimaschutz?

Diesen Fragen geht Dr. Hermann E. Ott, Senior Advisor Globale Nachhaltigkeits- und Wohlfahrtsstrategien beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in seinem Vortrag Klimaflucht am 28. April nach. Die Veranstaltung findet um 20 Uhr in der orange bar der Green City Energy AG statt. Der Vortragsabend ist eine Kooperationsveranstaltung des Münchner Forum Nachhaltigkeit mit der Evangelischen Stadtakademie, der Petra-Kelly-Stiftung und der Umwelt-Akademie e.V.

Der Eintritt ist frei, bitte melden Sie sich vorab an unter info@evstadtakademie.de.
Hier gehts zur Einladung (PDF).

Der Reichtum Afrikas – Vortrag mit Joseph Ngugi Mutura

Kenia hat annähernd 46 Millionen Einwohner, mehr als zwei Drittel von ihnen leben von der Landwirtschaft.  Doch durch den Klimawandel, ungebremstes Bevölkerungswachstum und die Stagnation der landwirtschaftlichen Produktivität sind viele Millionen Kenianer abhängig von Lebensmittelhilfen.
Dabei ist Afrika eigentlich ein unglaublich reicher Kontinent. Die eigenen Ressourcen müssen nur erkannt und nachhaltig genutzt werden – dies ist das Credo des SACDEP-Gründers Joseph Ngugi Mutura. Der Kenianer leitet seit 1992 das Sustainable Agriculture Community Development Programme SACDEP und schult Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im organischen Landbau. Inzwischen können dank seines Projektes fast 70.000 Familien in Kenia auf eigenen Beinen stehen und mit ihrer Landwirtschaft für ihr Auskommen sorgen.

Am 20. April 2016 ist Joseph Ngugi Mutura zu Gast in München und berichtet aus erster Hand von den langjährigen Wasserversorgungsprojekten in Afrika, die er gemeinsam mit der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung und Lammsbräu betreibt. Er stellt sein erfolgreiches Konzept der Kleinbäuerinnenorganisation vor, das auf Selbsthilfegruppen und Ausbildung im organischen Landbau setzt.
Gemeinsam mit der basic AG, Neumarkter Lammsbräu und der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung lädt die Schweisfurth Stiftung am 20. April 2016 ins Kaufmanns-Casino München e.V. (Odeonsplatz 6) zu diesem exklusiven und spannenden Vortrag ein.
Die Teilnahme ist kostenlos. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr.
Bitte melden Sie sich so bald wie möglich unter info@schweisfurth-stiftung.de oder 089/17 95 95 0 an, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

„Kampf um Strom“: Vortrag zur Energiewende von Prof. Dr. Claudia Kemfert

Fünf Jahre ist es her, dass  Bundeskanzlerin Angela Merkel 2011 die Energiewende einläutete. Trotzdem kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien noch immer nicht richtig in Gang. Stattdessen herrscht ein Zick-zack-Kurs: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz soll erst abgeschafft werden, dann wieder doch nicht, Offshore-Windparks werden mit viel Wind gestartet, dann gestoppt. Stromnetze werden geplant, aber nicht gebaut. Lobbyisten unterschiedlichster Herkunft beherrschen die Diskussion, drehen die Politiker mal in die eine, dann in die andere Windrichtung. Dabei ist die Energiewende ökologisch unverzichtbar und wirtschaftlich sinnvoll. Wie kann sie endlich verwirklicht werden?

Das erläutert die Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), am 7. April 2016 in der evangelischen Stadtakademie München. Beim Vortragsabend „Kampf um Strom. Die wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende“ des Münchner Forums Nachhaltigkeit zeigt die Expertin auf, welches Potential der konsequente Umstieg auf Erneuerbare Energien birgt. Aus Kemferts Sicht geht es nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie der Energiewende: „Die Frage, ob wir eine grüne Energieversorgung haben werden, ist längst entschieden.“

Sie wollen teilnehmen? Die Veranstaltung findet am 7. April 2016 um 19 Uhr in der Evangelischen Stadtakademie München, Herzog-Wilhelm-Str. 24, statt. Der Eintritt kostet 5.- Euro. Bitte melden Sie sich vorab unter info@evstadtakademie.de oder 089 5490270 an.

Wer sich vorab über das Thema informieren möchte, dem sei die Lektüre von Kemfert’s Buch „Kampf um Strom: Mythen, Macht und Monopole“ (Murmann Verlag, 2013) empfohlen.